FTD.de » Politik » Deutschland » Steinbrück und die Lust auf die Kandidatur
Merken   Drucken   26.09.2012, 21:22 Schriftgröße: AAA

SPD-Bankenplan: Steinbrück und die Lust auf die Kandidatur

Der Bankenplan von Peer Steinbrück bietet zwar wenig Überraschendes, taktisch klug ist seine Präsentation aber allemal: Er überzeugt mit ernsten Theorien statt Polemik und räumt Vorbehalte gegen ihn aus dem Weg. Wer soll ihn jetzt noch von der Kanzlerkandidatur abhalten?
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Michael Kappeler
Leitartikel Der Bankenplan von Peer Steinbrück bietet zwar wenig Überraschendes, taktisch klug ist seine Präsentation aber allemal: Er überzeugt mit ernsten Theorien statt Polemik und räumt Vorbehalte gegen ihn aus dem Weg. Wer soll ihn jetzt noch von der Kanzlerkandidatur abhalten?

Wer kann jetzt noch an Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidaten zweifeln? Mit der Präsentation des SPD-Finanzmarktkonzepts dürfte er Bedenken an seiner Nominierung ausgeräumt haben.

Das hat allerdings mehr mit seiner politischen Taktik zu tun als mit der sachlichen Güte des Papiers. Steinbrücks Vorschläge, die er im Auftrag der SPD-Fraktion formulierte, sind weder überraschend noch bahnbrechend. Sie ähneln auffällig mehreren Regulierungsvorhaben, die bereits international vereinbart oder auf den Weg gebracht wurden. Die Idee eines europäischen Banken-Rettungsfonds etwa wird in der EU seit langem diskutiert, der Europäische Stabilitätsmechanismus könnte dafür ohne große Mühen ausgebaut werden. Sein Holding-Modell für eine stärkere Trennung von Investment- und Geschäftsbanken ist etwa in Großbritannien bereits Gesetz und dürfte in ähnlicher Form im Oktober von der "Liikanen-Gruppe" vorgeschlagen werden - einer Expertenrunde im Auftrag der EU-Kommission. Dass der außerbörsliche Handel von Derivaten stärker reguliert werden soll, ist bereits beschlossen. Und der Ruf nach einer Deckelung von Managergehältern ist inzwischen nahezu Pflicht.

Bemerkenswert ist vielmehr, wie taktisch geschickt Steinbrück vorgeht. Anders als Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier demonstriert er öffentlich seine Lust auf eine Kandidatur. Und im Gegensatz zum ungeliebten Parteichef Sigmar Gabriel legt er nun nicht ein grobpolemisches Papier vor, sondern präsentiert sachliche Vorschläge, die in der Politik mehrheitsfähig sind. Zugleich räumt Steinbrück derzeit Vorbehalte gegen ihn von Parteilinken und den Grünen aus dem Weg. Diese halten den Rot-Grün-Kritiker für viel zu wirtschaftsfreundlich, sozialfeindlich und zu großkoalitionär. Doch nun können sich erste Grüne sogar vorstellen, sich dem Papier anzuschließen. Und die Linke in der SPD wird sich geschmeichelt fühlen, dass der Ex-Finanzminister plötzlich die Bankenmacht und Managergehälter attackiert. Zumal, für die Hartz-Gesetze kann er nichts, da war er noch Landespolitiker.

Wer soll ihn noch als Kanzlerkandidaten in der SPD aufhalten? Gabriel kann es nicht, Steinmeier will es offenbar nicht. Bleibt die Basis: Wenn sie etwa eine Abkehr von der Rente mit 67 beschließt. Das kann Steinbrück niemals mittragen.

  • Aus der FTD vom 27.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler