Erntehelfer pflücken auf einem sogenannten Gurkenflieger Gurken auf einem Feld in Bremgarten
"Wer es nicht schafft, sollte über Trainingsmaßnahmen oder Eingliederungszuschüsse gefördert werden", sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner, der FTD. "Ich erwarte, dass für zumutbare Arbeit auch qualifiziert wird." Eine weitere Möglichkeit sei, zu Anfang mangelnde Produktivität über einen Lohnzuschuss auszugleichen.
Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit suchen die Parteien nach allen Möglichkeiten, Arbeitslose zu vermitteln. Erneut ins Blickfeld sind nun die anstrengenden und mit rund 5,41 Euro gering bezahlten Jobs bei der Ernte von Spargel, Obst und anderem Gemüse geraten. Jedes Jahr vergibt die BA rund 300.000 der insgesamt 900.000 Arbeitsgenehmigungen für ausländische Erntehelfer. BA-Vorstand Heinrich Alt hatte am vergangenen Wochenende gefordert, diese Genehmigungen um die Hälfte zu verringern und mehr inländische Arbeitslose für die Jobs einzusetzen.
Auch der CDU-Arbeitsmarktexperte Karl-Josef Laumann fordert mehr inländische Arbeitskräfte: "Diese Arbeit ist zumutbar." Eine Qualifizierung sei nicht notwendig. "Die BA muss dafür eben die Arbeitswilligen schicken." Landwirte dürften auf der anderen Seite Arbeitslose nicht ablehnen. Der Bauernverband hatte in der "Bild"-Zeitung mitgeteilt, diese Arbeitslosen hätten sich häufig als unzuverlässig erwiesen.
Warnung vor "falscher Botschaft"
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Thea Dückert, warnte dagegen vor einer "falschen Botschaft", die die BA versende. "Es ist hochproblematisch zu glauben, damit löse man die Langzeitarbeitslosigkeit." Eine Möglichkeit sei dagegen, die Grenzen der Zuverdienste für Arbeitslose wie geplant zu erhöhen. Bislang dürfen Arbeitslose nur wenig von solchen Zusatzjobs behalten. Dem stimmt der Geschäftsführer der Fachgruppe Obstbau, Herbert Knuppen, zu: "Bessere Zuverdienste können das Interesse der Arbeitslosen erhöhen." Die Betriebe würden einem interessierten Arbeitslosen nicht "die Tür vor der Nase zuschlagen". Zwangseinsätze machten aber keinen Sinn.
Darüber hinaus genießen die Bauern einen besonderen Schutz: Zwar wird vor Erteilung der Genehmigung für einen ausländischen Saisonarbeiter nach deutschen Kräften gesucht. Grundsätzlich gilt aber auch, dass der Betrieb 85 Prozent der Zahl an ausländischen Hilfen beschäftigen darf, die er bereits 1996 hatte. Einem solchen garantierten Besitzstand hat auch das Bundeswirtschaftsministerium zugestimmt. Laut Bauernverband geht es um eine Zahl von rund 200.000 Saisonkräften.
Dort, wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist, funktioniert die Vermittlung Deutscher in solche Jobs langsam besser. So sind in Sachsen-Anhalt und Thüringen bereits die Hälfte der 4000 Saisonkräfte aus Deutschland. "Ziel ist es, mittelfristig den Anteil inländischer Saisonarbeiter bundesweit auf die Hälfte zu erhöhen", sagte eine Sprecherin der BA. Die Vermittlung sei eine "Gratwanderung": "Wir wollen dem Landwirt nicht den Falschen schicken."