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Merken   Drucken   31.08.2008, 22:35 Schriftgröße: AAA

SPD fühlt sich bei Atomlager belogen  

Der niedersächsische SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner hat den Betreibern des Atommülllagers Asse II eine jahrzehntelange Irreführung von Politik und Öffentlichkeit vorgeworfen: Es werde mit gezinkten Karten gespielt. von Timm Krägenow (Berlin)
"Vor Ort hat man immer erzählt, dass mit der Asse alles in Ordnung ist und hier nur Versuche vorgenommen werden. Im Nachhinein hat man aber den Eindruck, dass von Anfang an geplant war, in der Asse ein Endlager zu errichten", sagte Jüttner der FTD: "Hier ist von Anfang an mit gezinkten Karten gespielt worden."
In dem als "Forschungsbergwerk" deklarierten Bergwerk Asse bei Wolfenbüttel in Niedersachsen, in dem die Endlagerung radioaktiver Abfälle erprobt werden sollte, waren in letzter Zeit radioaktive Verschmutzungen mit zunächst unklarer Herkunft bekannt geworden. Außerdem strömen jeden Tag 12.000 Liter Wasser in den Salzstock. In den Stollen sammelt sich radioaktiv belastete Salzlauge. Betrieben wird das Bergwerk vom Münchner Helmholtz-Zentrum für Gesundheit und Umwelt, das Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) untersteht. Die Vorwürfe der SPD sollen offenbar auch die Atompolitik der Union treffen.
"Bei der Endlagerung reden wir über eine Langzeitsicherheit von mindestens 100.000 Jahren. Jetzt stellt sich aber heraus, dass der Betreiber nicht einmal in der Lage ist, Garantien für 30 Jahre einzuhalten", sagte Jüttner. Von einem Forschungsbetrieb könne nicht die Rede sein. "Da ist von 1965 bis 1978 der gesamte atomare Müll Deutschlands verbracht worden."
Der "Spiegel" berichtete am Wochenende, nach Aussagen früherer Asse-Mitarbeiter wurden "in den ersten Jahren Fässer angeliefert, die zum Teil bereits durchkorrodiert waren und Flüssigkeiten verloren". Die Risiken des Mülldepots seien früh bekannt gewesen, und bereits 1967 hätten die Betreiber gewusst, "dass für die Asse als möglicher maximaler Unfall nur das Ersaufen der Grube in Betracht kommt".

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