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Merken   Drucken   29.04.2005, 11:44 Schriftgröße: AAA

SPD hat nichts von Kapitalismusschelte  

Die SPD kann in der Wählerstimmung nicht von der harschen Kapitalismuskritik ihres Vorsitzenden Franz Müntefering profitieren. Dennoch legen prominente Sozialdemokraten in der Debatte nach.
Kapitalismus? Nein Danke   Kapitalismus? Nein Danke
Nach dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer hat die SPD sowohl in der politischen Stimmung als auch bei der so genannten Sonntagsfrage an Boden verloren. Wäre an diesem Sonntag Bundestagswahl, käme die SPD nur noch auf 30 Prozent der Stimmen, das ist ein Prozentpunkt weniger als vor zwei Wochen.
Dennoch findet die Kapitalismuskritik Münteferings große Zustimmung in der Bevölkerung. Eine repräsentative Umfrage des Ipsos-Instituts im Auftrag der FTD ergab, dass 73 Prozent der Menschen der Meinung sind, die meisten Unternehmen nähmen mehr von der Gesellschaft als sie ihr geben. 78 Prozent unterstützen die Aussage, für die Unternehmen seien Menschen nur noch ein Kostenfaktor wie Maschinen.
Schartau fordert Gegenleistungen für hohe Gewinne
Der sozialdemokratische Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Harald Schartau, unterstützte am Freitag Münteferings Attacken auf die Wirtschaft. "Viele Menschen können es einfach nicht mehr ertragen, dass ständig Gewinnankündigungen mit Personalabbau verbunden werden" sagte Schartau der "Berliner Zeitung". In Nordrhein-Westfalen wird am 22. Mai ein neuer Landtag gewählt.
Mit Blick auf den erneuten Gewinnsprung der Deutschen Bank im ersten Quartal 2005 sagte Schartau, so schlecht könne es um den Standort Deutschland nicht bestellt sein. "Solche guten Zahlen sollten von guten Botschaften in puncto Beschäftigung und in puncto Standortsicherung begleitet werden", forderte er. Das größte deutsche Bankhaus hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass es seinen Gewinn nach Steuern im ersten Quartal unerwartet stark um 17 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro steigern konnte.
Auslöser der Kapitalismusdebatte war die Kritik Münteferings am Verhalten deutscher Firmen und internationaler Finanzinvestoren, die keine Rücksicht auf Arbeitnehmer und Standort nähmen und damit für einen ungezügelten Kapitalismus stünden. Namentlich hatte er Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann angegriffen, der trotz hoher Gewinne einen massiven Stellenabbau angekündigt hatte.

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