Das Kandidatenfieber in der SPD hat sich inzwischen auch in der CDU ausgebreitet. Unter den Wahlkampfstrategen um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kursieren bereits Planspiele für eine schlagkräftige Unions-Kampagne gegen jeden der drei möglichen SPD-Kanzlerkandidaten. Denn jeder der Troika-Männer kann Merkel mit seinem jeweils speziellen Politikerstil, seiner Vorgeschichte und seiner Persönlichkeit auf unterschiedliche Weise im Bundestagswahlkampf 2013 gefährlich werden. Ganz genau beobachtet daher der engste Führungszirkel um die CDU-Chefin, wie sich die drei potenziellen Herausforderer zum Ende der Sommerpause für das letzte Jahr bis zur Wahl in Stellung bringen. Aus Sicht der Kanzlerin sind Vor- und Nachteile bei den drei SPD-Größen ungleich verteilt.
Der populäre 65-Jährige wäre aus Merkels Sicht wohl der Wunschkandidat - denn seine Wahlkämpfer-Qualitäten werden in Merkels Lager als höchst fragwürdig eingeschätzt. "Sein Markenzeichen ist das unverblümte Wort, das macht ihn aus. Doch im Wahlkampf müssen der Spitzenkandidat und die inhaltlichen Ziele seiner Partei optimal zusammenpassen", sagt ein enger Vertrauter der Kanzlerin. "Da würde Steinbrück große Disziplin abverlangt - und das schleift entweder sein Image als Mann der klaren Kante oder führt zu Dauerreibung mit seiner Partei." Ein solcher Wahlkampf wäre für die SPD wenig Erfolg versprechend und für Merkel vergleichsweise bequem. Denn sie könnte darauf abzielen, inhaltliche Differenzen zwischen ihrem früheren Finanzminister und seiner SPD hervorzuheben. Tatsächlich hat Steinbrück seine Parteigenossen schon offen als "Heulsusen" verspottet. Auch Meinungsunterschiede gab es öfter, etwa in der Rentenpolitik.
Der 52-jährige SPD-Vorsitzende dagegen gilt unter Merkels Helfern als talentiertester Wahlkämpfer in der Troika. Für die Sozialdemokraten kommt es im Bundestagswahlkampf darauf an, eine Stimmung zur Abwahl der Kanzlerin zu erzeugen und eine Mehrheit gegen die Union zustande zu bringen. "Gabriel kann es schaffen, kräftig Druck zu machen und dabei auch die SPD geschlossen hinter sich zu versammeln", heißt es in Merkels Beraterkreis. Ein stark polarisierter Wahlkampf liegt Merkel nicht, als Kanzlerin kann sie harte Angriffe nicht so aggressiv kontern wie ein Herausforderer. "Sie könnte sich aber darauf konzentrieren, als erfahrene Regierungschefin die Seriosität Gabriels in Zweifel zu ziehen", so ein Merkel-Vertrauter. "Denn Gabriel läuft stets Gefahr, mit seinen Attacken übers Ziel hinauszuschießen."
Den Chef der SPD-Bundestagsfraktion hält das Merkel-Lager für den wahrscheinlichsten Kandidaten. Merkels 56-jährigem, ehemaligem Vizekanzler könne es gelingen, sich in Sachen Seriosität als Alternative zur Kanzlerin zu präsentieren und seine Partei hinter sich zu versammeln, so die Einschätzung im Beraterkreis der CDU-Chefin. "Entscheidend ist dann die Frage, ob er nach seinem Wahldebakel 2009 die SPD ausreichend motivieren kann oder ob ihm die Niederlage noch anhaftet", heißt es dort. Auffällig sei jedenfalls, dass er sich derzeit stark zurückhalte - während Gabriel und Steinbrück sich verausgabten.