Kaum steht das Wahlkampfteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, wird in der Partei Kritik daran laut. Wichtige SPD-Frauen bemängeln, dass die Beratergruppe ausschließlich aus Männern besteht. Agnes Allroggen-Bedel, Vizechefin der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), sagte: "Ich gehe fest davon aus, dass Peer Steinbrück zumindest sein Schattenkabinett gleichrangig mit Männern und Frauen besetzen wird." Die ASF-Vorsitzende Elke Ferner forderte, das SPD-Regierungsteam müsse "das Thema Gleichstellung glaubwürdig widerspiegeln". Die Partei habe genug Frauen, die auch für wichtige Ministerämter zur Verfügung stünden.
Die Kritik trifft Steinbrück an einer empfindlichen Stelle, muss er doch ohnehin mit dem Vorbehalt leben, als Kandidat eher Männer als Frauen anzusprechen. Laut Demoskopen schneidet Steinbrück bei Männern wesentlich besser ab als bei Frauen.
Bisher hat er auch wenig dafür getan, um diesem Befund entgegenzuwirken. Sein engstes Wahlkampfteam besteht nur aus langjährigen Weggefährten, die er kennt und denen er vertraut. Es sind allesamt Männer vom pragmatischen bis wirtschaftsfreundlichen SPD-Flügel. Obwohl die Parteispitze mit dem Vorwurf der mangelnden Ausgewogenheit der Geschlechter rechnen musste, war sie so aufgeschreckt, dass sie eilig versuchte, auch Generalsekretärin Andrea Nahles und Schatzmeisterin Barbara Hendricks als Teil des Steinbrück-Teams darzustellen. Dabei hatte Steinbrück die von ihm wenig geschätzte Parteimanagerin Nahles kurz nach seiner Nominierung als Kanzlerkandidat noch unter "die vorhandenen Ressourcen des Willy-Brandt-Hauses" subsumiert, was Nahles ihm übel nahm. Später entschuldigte sich Steinbrück.
Bereits engagiert hat Steinbrück zwei in der Vergangenheit sehr erfolgreiche Kampagnenmacher. Der heutige thüringische Wirtschaftsminister Matthias Machnig hatte für die SPD den legendären Wahlkampf 1998 geleitet, der Gerhard Schröder ins Kanzleramt trug. Machnig ist zudem ein enger Berater von SPD-Chef Sigmar Gabriel. Er beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen Wirtschaft, Innovation und Gerechtigkeit, die auch im Zentrum von Steinbrücks Wahlkampf stehen sollen.
Als geschickter Spin-Doctor gilt auch Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer. Er arbeitete mit Machnig 1998 in der SPD-Wahlkampfzentrale "Kampa", war jahrelang Parteisprecher und später Regierungssprecher des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). Zuletzt war er Geschäftsführer des Informationszentrums Klima. Diese Lobbygesellschaft wird von den Konzernen Alstom , EnBW , Eon , DB Energie, General Electric , Thyssen Krupp, Hitachi Power Europe, RWE , Siemens Power Generation und Vattenfall Europe getragen. Donnermeyer sollte Akzeptanz für die umstrittene CCS-Technologie schaffen. Bei CCS wird das bei der Verbrennung von Kohle in Kraftwerken entstehende Kohlendioxid abgeschieden und in unterirdischen Speichern gelagert. Die politischen Widerstände waren in Deutschland aber zu groß. Als ehemaliger Lobbyist stößt Donnermeyer gerade an der SPD-Basis durchaus auf Vorbehalte.
Eine andere Art von Wirtschaftskompetenz hat dagegen Heiko Geue, den Steinbrück zum Wahlkampfleiter berufen hat. Nach seiner Promotion in Volkswirtschaftslehre arbeitete sich Geue im Regierungsapparat hoch. 2002 wurde er persönlicher Referent des damaligen Kanzleramtschefs Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Leiter der politischen Planung. So war Geue auch maßgeblich an der Agenda 2010 beteiligt, die von SPD-Linken bis heute bekämpft wird. Für Steinbrück arbeitete Geue von 2005 bis 2009, als er den Leitungsstab des Finanzministeriums leitete. Zuletzt war Geue Staatssekretär im Finanzministerium von Sachsen-Anhalt. Erfahrung in der Parteiarbeit hat er nicht, gilt aber als guter Vermittler. Diese Fähigkeit wird Geue in der SPD brauchen.
| Von Frauen verschmäht |
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| Kanzlerfrage SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück schneidet bei Männern klar besser ab als bei Frauen. Bei einer Direktwahl des Kanzlers würden 52 Prozent der Wählerinnen für Angela Merkel stimmen, aber nur 33 Prozent für Steinbrück. Das ermittelte Infratest Dimap. |
| Gleichstand Bei den Männern liegt Merkel (45 Prozent) gerade einmal einen Punkt vor Steinbrück (44 Prozent) - praktisch ein Gleichstand. |