Eine Anleihe würde das Unternehmen dagegen nur 562,5 Mio. Euro kosten. "Da die Aktie für den Anleger die renditeträchtigste Anlageform darstellt, muss sie zwangsläufig für den Emittenten die teuerste Form der Kapitalbeschaffung sein", schreibt Scheer in dem Papier, das der FTD vorliegt.
Uwe Beckmeyer, SPD-Verkehrsexperte im Bundestag, sagte dazu: "Die Zahlen allein sagen nicht viel aus. Man muss auch berücksichtigen, dass strategische Investoren neue Ideen ins Unternehmen bringen."
Scheers Berechnungen sind ein neuer Versuch, das sogenannte Holdingmodell zur Teilprivatisierung der Deutschen Bahn anzugreifen. Der linke Flügel der SPD lehnt jede Privatisierung ab. Linke SPD-Politiker argumentieren, so würde "Volksvermögen verschleudert". Investoren bekämen "zum Dumpingpreis" Zugriff auf wichtige Teile der Bahn. Letztlich könnten sie sogar Einfluss auf das Schienennetz nehmen.
Genau das wollen Finanzminister Peer Steinbrück und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (beide SPD) mit dem Holdingmodell verhindern, das sie gemeinsam mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn erarbeitet haben. Private Investoren sollen sich lediglich an der Holding mit bis zu 49 Prozent beteiligen dürfen, in der die Töchter für Verkehr und Logistik gebündelt werden. Die Holding mit den Schienen und Bahnhöfen soll dagegen zu 100 Prozent im Besitz des Bundes bleiben. Die SPD-Linke argumentiert aber, dass die Investoren der Verkehrs- und Logistikholding (VuL) Druck ausüben werden, damit die Infrastrukturholding nach ihren Wünschen ausgerichtet wird.
In seiner Rechnung geht Scheer davon aus, dass 49 Prozent der VuL einen Privatisierungserlös von 12,5 Mrd. Euro bringen werden. Die gängigen Schätzungen reichen von 10 bis 16,5 Mrd. Euro. Gibt die Bahn Stammaktien oder vinkulierte Namensaktien (jeder Aktionärswechsel muss registriert werden) heraus, verlangen die Investoren nach Scheers Einschätzung eine Rendite von neun Prozent. Das wären bei 12,5 Mrd. Euro Kapital 1,125 Mrd. Euro.
Bei der alternativen Volksaktie nimmt Scheer eine Garantieverzinsung von fünf Prozent an. Die SPD versteht unter Volksaktie im Fall der Bahn eine stimmrechtslose Vorzugsaktie. Das Papier soll risikoarm, dafür weniger renditestark als die Stammaktie sein. Die fünf Prozent Rendite entsprechen einer Ausschüttung von 625 Mio. Euro.
Für Bankkredite nimmt Scheer einen Durchschnittszins von 4,6 Prozent an, was Kosten von 575 Mio. Euro ergibt. Noch günstiger wäre eine Anleihe, die Scheer mit 4,5 Prozent kalkuliert. Die Bahn hatte nach dem Geschäftsbericht 2006 laufende Anleihen im Wert von rund 11 Mrd. Euro. Im Durchschnitt betrug der Effektivzinssatz 4,61 Prozent, bei der zuletzt aufgenommenen Anleihe lag er bei 4,12 Prozent. Die Zinsen würden 562,5 Mio. Euro betragen.