Dr. Andreas Schlüter, Geschäftsführer des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft
FTD: Herr Schlüter, in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Stiftungen rasant gestiegen. Hat sich in Deutschland eine Kultur des Mäzenatentums entwickelt?
Andreas Schlüter: Eindeutig ja. Eine Ursache sehe ich in der demografischen Entwicklung. Viele Menschen haben keine Kinder, denen sie ihr Vermögen vererben könnten. Zudem steigt die Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl zu engagieren.
Die Bundesregierung will das Gründen einer Stiftung steuerlich noch attraktiver machen. Wird die Zahl dadurch noch weiter steigen?
Ja. Und was beinahe noch wichtiger ist: Neu gegründete Stiftungen werden mit mehr Kapital ausgestattet als in der Vergangenheit. So werden einzelne Stiftungen leistungsfähiger, weil sie mit deutlich höheren Kapitalerträgen arbeiten können.
Muss der Gesetzgeber mehr tun?
Ich könnte mir für die Wissenschaftsförderung eine weitergehende Förderung vorstellen. Schließlich entlastet es die staatlichen Kassen, wenn Stiftungen sich für die Wissenschaft engagieren. In anderen Ländern gehören solche Regelungen schon zum Alltag.
Ihr Verband betreut vor allem Wissenschaftsstiftungen. Wird das Thema neuerdings beliebter?
In den 80er- und 90er-Jahren waren die dominierenden Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Ökologie. Seit einigen Jahren hat sich das geändert. Seither konzentrieren sich Stiftungsgründer verstärkt auf die Themen Bildung, Wissenschaft und Forschung. Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen. Dazu zählen sicher die Pisa-Studie sowie die Erkenntnis, dass wir in unser Bildungssystem investieren müssen, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.
In den vergangenen Jahren haben viele Stiftungen über magere Erträge aus der Geldanlage geklagt. Hat sich die Situation gebessert?
Noch vor zehn Jahren haben Stiftungen fast ausschließlich in sogenannte mündelsichere, also risikoarme Anlagen investiert. Heute ist die Mehrheit dazu übergegangen, einen Teil des Stiftungskapitals in Aktien anzulegen. So konnten Stiftungen zuletzt vom Höhenflug der Aktienmärkte und der guten Gewinnsituation der Unternehmen profitieren.