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  05.07.2009, 13:52    

Straßenschlacht: Schwere Krawalle in Hamburg

Es begann als Straßenfest und endete in einer Straßenschlacht. Im Hamburger Schanzenviertel haben sich Hunderte Randalierer heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Ein Polizeifahrzeug ging in Flammen auf, Dutzende Krawallos wurden festgenommen.

Heftige Auseinandersetzungen haben sich Hunderte Randalierer im Hamburger Schanzenviertel in der Nacht zum Sonntag mit der Polizei geliefert. Bei den stundenlangen Zusammenstößen nach einem Straßenfest gingen Einsatzkräfte massiv mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor, die immer wieder brennende Barrikaden errichten und Beamte mit Flaschen und Feuerwerkskörpern bewarfen.
Erst am frühen Morgen beruhigte sich die Lage weitgehend. "Es waren heftige Ausschreitungen", sagte Polizeisprecher Ralf Meyer der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er sprach von einem "hohen Aggressionspotenzial". Nach dem sogenannten Schanzenfest kommt es seit Jahren zu Ausschreitungen.
Zahlreiche Randalierer seien fest- oder in Gewahrsam genommen worden, sagte Meyer. Wie viele, konnte er zunächst nicht sagen. Es sei aber eine "relativ hohe Zahl", betonte er. Bei einer Gelegenheit hätten Randalierer anscheinend einen Molotowcocktail geworfen. Vor einer Polizeiwache hätten "gewaltbereite Störer" zudem einen leeren Streifenwagen mit Leuchtkugeln in Brand geschossen. Zwei verletzte Polizisten seien mit Schnittwunden und Prellungen in Krankenhäuser gebracht worden, sagte er. Mehrere Beamte wurden leicht verletzt. Über verletzte Randalierer gab es zunächst keine Informationen.
Bis in die Nacht kam es insbesondere am Pferdemarkt in der Nähe des Schanzenviertels zu heftigen Konfrontationen. Vermummte deckten Wasserwerfer und andere Einsatzfahrzeuge der Polizei mit einem Hagel aus Glasflaschen und anderen Wurfgeschossen ein. Immer wieder zogen Demonstranten Bauzäune, Müllcontainer und andere Gegenstände auf die Straßen und zündeten sie an. Die Polizei setzte Wasserwerfer und einen gepanzertes Räumfahrzeug ein, um die Barrikaden zu beseitigen. Erst gegen 3.00 Uhr kehrte in und um das Schanzenviertel weitgehend Ruhe ein. Aus einigen weiter entfernten Straßen meldete die Polizei allerdings noch kleinere "Scharmützel" sowie einige kleinere Brände.
Von einer außergewöhnlichen Dimension der Gewalt wollte Meyer in einer ersten Bilanz ausdrücklich nicht sprechen. Es seien heftige Ausschreitungen gewesen, aber es sei "Haarspalterei" darüber zu streiten, ob sie gewalttätiger gewesen seien als in den Vorjahren. Auffällig sei aus Polizeisicht jedoch gewesen, dass sich einige der Randalierer offenbar gezielt auf Ausschreitungen vorbereitet hätten. Bei zwei Festgenommenen aus Berlin habe man "Utensilien" gefunden, aus denen sich Molotowcocktails oder Brandsätze herstellen ließen.
Jedes Jahr das gleiche Bild
Nach dem Schanzenfest rund um den Autonomentreff "Rote Flora" kommt es seit Jahren immer wieder zu Ausschreitungen. Im vergangenen Jahr wurden dabei 18 Menschen verletzt, darunter 11 Polizisten. Etwa 50 Protestierende wurden damals fest- oder in Gewahrsam genommen.
Begonnen hatten die Ausschreitungen gegen 22 Uhr, als Polizisten nahe der "Roten Flora" nach eigenen Angaben mit Feuerwerkskörpern und Flaschen angegriffen wurden. Unterstützt von fünf Wasserwerfern räumten Beamte innerhalb weniger Minuten die Straße vor der "Flora". Polizisten drängten die nach Meyers Angaben größtenteils aus der Autonomenszene stammenden 900 bis 1000 Randalierer sowie zahlreiche Passanten und Schaulustige in einen Park sowie in Nebenstraßen ab.
Dort kam es in der Folge wiederholt zu Zusammenstößen, die Lage war zwischenzeitlich unübersichtlich. Polizisten gingen mit mehreren Wasserwerfern gegen Gruppen von Demonstranten vor, aus denen heraus sie mit Flaschen beworfen und bisweilen auch lautstark beschimpft wurden. Immer wieder versuchten Randalierer, unmittelbar hinter den vorrückenden Einsatzfahrzeugen neue Barrikaden zu errichten.
Neben Autonomen befanden sich darunter auch einige Jugendliche, die sich offenbar den Krawallen anschlossen. Es habe auch in diesem Jahr wieder einige "erlebnisorientierte" Randalierer gegeben, sagte Meyer. Das Schanzenviertel ist auch ein beliebtes Ausgehviertel mit vielen Kneipen. Ausschreitungen werden dort meist auch von zahlreichen Schaulustigen verfolgt.
  • FTD.de, 05.07.2009
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