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Merken   Drucken   29.09.2009, 09:24 Schriftgröße: AAA

Strategische Siegerin: Merkel mopst die Mitte  

Kommentar Das SPD-Programm liegt einer Mehrheit der Wähler näher als das von Union oder FDP. Merkels Strategie, sich und ihre Partei zu sozialdemokratisieren, hat ihr den Sieg gesichert. von Joachim Behnke
Joachim Behnke ist Professor für Politikwissenschaft an der Zeppelin University in Friedrichshafen
Der Wahlabend hat für einige Überraschungen gesorgt. Er hat scheinbar glorreiche Sieger und offenbar deklassierte Verlierer hervorgebracht. Aber gerade die extremen Ergebnisse für FDP und SPD sollten nicht dazu verleiten, scheinbar naheliegende Schlussfolgerungen zu ziehen, die tatsächlich alles andere als gerechtfertigt sind. In Wirklichkeit nämlich haben FDP und SPD viel weniger Grund stolz beziehungsweise verzweifelt zu sein, als es den Anschein hat. Die große strategische Siegerin der Wahl heißt Angela Merkel, obwohl ihre Partei sogar leicht verloren hat.
Diese Verluste und vor allem der relative Bedeutungsverlust in einer schwarz-gelben Koalition im Vergleich zu früheren derartigen Koalitionen werden Merkel möglicherweise noch einige Schwierigkeiten innerhalb der eigenen Partei bereiten. Dort war sie immer weniger unangefochten, als ihre Popularität nach außen suggerierte. Doch genau das Phänomen, das seinerzeit Friedrich Merz in einer als Vorwurf gemeinten, aber tatsächlich unbeabsichtigt intelligenten Erkenntnis als "Sozialdemokratisierung der CDU" ausformuliert hat, ist es, was Schwarz-Gelb am Sonntag zum Sieg verholfen hat.
Merkel schlägt Programm
Im sogenannten Ethikmonitor, einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, die von meinem Mitarbeiter Florian Bader und mir für die Stiftung "Wertevolle Zukunft" konzipiert und in zwei Wellen im Frühjahr und im August/September durchgeführt worden ist, haben wir Folgendes festgestellt: Bei den zwei mit Abstand wichtigsten Sachthemen für die Bevölkerung, Regulierung des Finanzmarkts und Mindestlohn, liegt die SPD deutlich näher an der Mitte der Bevölkerung als die CDU. Hätten sich die Wähler bei ihrer Wahlentscheidung vor allem an den Programmen der Parteien orientiert, so hätte es auch mit Überhangmandaten auf keinen Fall für eine schwarz-gelbe Koalition gereicht. Nur - zum Unglück der SPD und zum Vorteil der CDU - hat ein großer Teil der Wähler die programmatische Seite offensichtlich mehr oder weniger ignoriert und sich für die aus seiner Sicht bessere Kandidatin entschieden.

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  • Aus der FTD vom 29.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 29.09.2009 14:00:24 Uhr   FNU-SNU: Interpretation eines Wahlsieges

    Eine wirklich "lustige" Interpretation. Wenn ich dann kurz überlege, wie die Intelligenz auf Links und Rechts/Mitte verteilt ist, schüttel ich nur den Kopf. Eine solche Ablehnung von Realitäten hat doch den Sieg für die Linke oder "Pseudo"-Linke gekostet?! Nur Politik für eine Minderheit von Hartz-IV Empfängern und sozial Benachteiligten bringt kein Land vorwärts. Das ist vielleicht einen Platz auf der Wunsch-/Polemikliste wert, jedoch kein Ansatz für "weltpolitische" Realpolitik.
    Genauso erstaunt mich immer, daß ich keinen Menschen kenne (trotz meines Berufes dafür eigentlich geeigneten Berufs), der jemals an einer dieser erwähnten und oft zitierten Meinungsumfragen befragt wurde. Welche Meinungen werden also dort kolportiert?! Einen "bundesdeutschen" Durchschnitt kann ich nicht erkennen.

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