Damit sendet Finanzminister Wolfgang Schäuble ein deutliches Signal an Union und FDP, die zurzeit über Steuersenkungen debattieren. Schäuble hat andere Prioritäten: Er will den Haushalt sanieren. "Die Erwartungen, die im Moment von einigen Stimmen geweckt werden, sind überzogen und haben das Potenzial, zu Enttäuschungen zu führen", sagte Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (beide CDU) der "Rheinische Post".
Bisher hat Schäuble 31,4 Mrd. Euro an neuen Schulden eingeplant. Wegen der guten Konjunktur liefen die Steuereinnahmen aber besser als noch im März bei der Aufstellung der Eckwerte für den Etat 2012 geplant, hieß es. Das Kabinett will den Haushalt 2012 dem Bericht zufolge am 6. Juli beschließen.
Steuersenkungen verlangen vor allem die FDP, aber auch die CSU. Das FDP-Präsidium will nach "Bild"-Informationen am Sonntag und Montag darüber auf einer Klausur weiter beraten. Der FDP-Finanzexperte Hermann-Otto Solms forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) indirekt auf, zu dem Thema Stellung zu beziehen. Angesichts der skeptischen Haltung Schäubles sagte Solms den "Stuttgarter Nachrichten", die Frage sei "eine Angelegenheit der Union, und deren Chefin ist Frau Merkel".
Solms warf Schäuble vor, Spielräume für Steuersenkungen zu verschenken. Der Minister habe den Kommunen fast 4 Mrd. Euro für die Grundsicherung zur Verfügung gestellt, ohne im Gegenzug eine Gewerbesteuerreform durchzusetzen, sagte Solms. Schäuble denke vom Staat her, "wie die Sozialdemokraten eben auch. Die glauben, dass Geld gehört dem Staat. Aber die Bürger erwirtschaften es. Es ist ihr Geld", sagte Solms.