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Merken   Drucken   07.07.2009, 12:18 Schriftgröße: AAA

Studie: Schüler wissen wenig über Wirtschaft  

Deutschlands Schüler haben großen Nachholbedarf bei der wirtschaftlichen Bildung. Mit dem Begriff "Soziale Marktwirtschaft" verbinden 55 Prozent der Jugendlichen "nichts Bestimmtes". von Isabel Gomez (Berlin)
Der Bundesverband der Deutschen Banken veröffentlichte seine diesjährige Studie über das Interesse von Jugendliche an Wirtschaftsthemen.
Manfred Weber, Vorstand des Bankenverbands, fordert daher die Einführung eines speziellen Schulfachs "Wirtschaft", in dem "Wert auf ökonomische Grundkenntnisse" gelegt wird. Zwar lehrten einige Schulen wirtschaftliche Grundzüge in Fächern wie Politik oder Sozialwissenschaften - praxisrelevante Wirtschaftsinhalte würden jedoch nur in ausgewählten Bundesländern vermittelt, sagte Weber. Auch 77 Prozent der Befragten wünschen sich die Einführung eines gesonderten Fachs.
Die Studie zeigt, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren zwar für Wirtschaft und Politik interessieren und diese für wichtig halten. Sie offenbart aber auch die Bildungslücken in diesem Bereich. Das wirtschaftliche Grundprinzip von "Angebot und Nachfrage" haben zwar die meisten Befragten schon einmal gehört, aber nur 53 Prozent konnten das Zusammenspiel der Marktkräfte annähernd richtig erklären. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass ein großer Teil der Teilnehmer bereits eine berufliche Ausbildung oder ein Studium begonnen hat. Auch die "Inflationsrate" war nicht einmal der Hälfte der Befragten bekannt, nur sechs Prozent konnten die aktuelle Inflationsrate in Deutschland gar benennen.
Einige Bundesländer sind sich des Problems bewusst Sie haben bereits Abhilfe geschaffen und Fächer mit ökonomischem Inhalt eingerichtet. So werde in Bayern über die Wichtigkeit von Wirtschaft als Schulfach "gar nicht erst diskutiert", sagt Heinrich Hausknecht vom Münchner Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung. "Wirtschafts- und Rechtslehre ist in Bayern ein Pflichtfach in allen Neigungszügen der Realschulen", sagt Hausknecht. Den Schülern würden die Grundzüge des Wirtschaftens und des Rechts vermittelt. Nebenher liefen an nahezu allen bayerischen Schulen regelmäßig Wirtschaftsprojekte und Unternehmensplanspiele, so Hausknecht.
Im IHK-Bezirk Nord Westfalen lief von 2001 bis 2004 der gymnasiale Modellversuch Prawis - im Fach Sozialwissenschaften wurde in der Zeit ausschließlich Wirtschaft unterrichtet. Seitdem können Schulen das Fach mit einem Zweidrittelanteil Wirtschaft anbieten. Laut Dorothe Hünting-Boll von der IHK Nord Westfalen wollen das auch die Schüler. Das Problem seien neben den unzureichend ausgebildeten Lehrern die politischen Hürden bei der Einführung eines neuen Fachs. "Und ökonomische Bildung ist nur dann dauerhaft zu verankern, wenn sie fest im System vorgesehen ist - nicht als kurzes Wirtschaftsevent oder Projekt."
  • Aus der FTD vom 07.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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