Die deutschen Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass der meistgesuchte NS-Verbrecher Aribert Heim vermutlich schon seit fast 17 Jahren tot ist. Seit kurzem lägen Zielfahndern des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg ernstzunehmende Informationen vor, wonach der seit 1962 gesuchte KZ-Arzt in Ägypten gestorben sei, teilten das Landgericht Baden-Baden und das Landeskriminalamt am Donnerstag mit. Eine amtliche Überprüfung dieser Informationen sei in die Wege geleitet. Dabei werde es in Zusammenarbeit mit den ägyptischen Behörden vor allem darum gehen, den Leichnam Heims zu identifizieren.
Gemeinsame Recherchen der "New York Times" und des ZDF ergaben laut dem stellvertretenden Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, dass der als "Dr. Tod" berüchtigte frühere KZ-Arzt bereits am 10. August 1992 in Kairo an Darmkrebs gestorben sei. Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Ephraim Zuroff, reagierte mit Skepsis auf die Berichte. Das Zentrum werde sich in den kommenden Wochen um eine Bestätigung bemühen, sagte er.
Injektionen direkt ins Herz
Heim wurde aufgrund eines Haftbefehls des Landgerichts Baden-Baden international gesucht. Der 1914 geborene Österreicher praktizierte nach dem Krieg in Baden-Baden als Frauenarzt und ist seit 1962 auf der Flucht. Deutsche Zielfahnder verfolgten seine Spur. Mehrere hunderttausend Euro waren als Belohnung für seine Ergreifung ausgesetzt.
Heim galt als extrem grausam. Augenzeugen berichteten, er habe aus der gegerbten Haut eines Opfers einen Lampenschirm für den Lagerkommandanten herstellen lassen. Er arbeitete als Arzt in den Konzentrationslagern Sachsenhausen (1940), Buchenwald (1941) und Mauthausen (1941). Ihm wird unter anderem vorgeworfen, in Mauthausen Hunderte Häftlinge mit tödlichen Injektionen auch direkt ins Herz umgebracht zu haben.
Laut ZDF-Mitteilung war Heim zu seiner Tarnung Anfang der 80er-Jahre zum Islam konvertiert und trug seitdem den Namen Tarek Farid Hussein. Das ZDF habe eine Aktentasche von Heim gefunden, in der sich mehr als 100 Dokumente befanden. Darunter seien die Kopie eines ägyptischen Passes, Anträge auf Aufenthaltsgenehmigungen, Kontoauszüge, persönliche Briefe und medizinische Unterlagen gewesen. Danach lasse sich zweifelsfrei nachweisen, dass Hussein der gesuchte Nazi-Verbrecher war.