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Merken   Drucken   23.05.2012, 13:27 Schriftgröße: AAA

Tarifabschluss: Teurere Zeitarbeit schadet nicht

Leitartikel Leiharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie bekommen mehr Geld. Damit können alle Seiten gut leben. Der Tarifabschluss ist in jedem Fall besser als ein Gesetz.

Wer flexibel reisen will, zahlt drauf: in der Bahn genauso wie im Flieger. Denn Flexibilität - sich nicht festlegen, nicht binden müssen - ist ein Mehrwert, den es in der Regel nicht umsonst gibt.

Auch nicht im Umgang eines Unternehmens mit seinen Arbeitnehmern, zumindest wenn es Ersterem gut geht und Letztere knapp sind. Die Einigung in der Metall- und Elektroindustrie, die jetzt die Leiharbeit in der Branche über einen Stufenplan verteuert, ist deshalb nachvollziehbar - und Ausdruck des Kräfteverhältnisses auf diesem Arbeitsmarkt. Die IG Metall ist damit ihrem Ziel ein Stück näher gekommen, die Lohnlücke zwischen den 240.000 Leiharbeitern der Branche und den Stammbeschäftigten zu schließen.

Gleichzeitig ist die Einigung auch dem politischen Druck geschuldet, den Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei diesem Thema aufgebaut hat. Eine - immer noch nicht ausgeschlossene - gesetzliche Regelung hätte härter für die Unternehmen ausfallen und das Flexibilisierungsinstrument Zeitarbeit beschädigen können. Mit der jetzt gefundenen Lösung können dagegen alle Beteiligten gut leben. Auch wenn nicht klar ist, ob die Metall- und Elektroindustrie oder die Zeitarbeitsbranche die größere Kröte zu schlucken hat. Bedrohlich ist die Einigung jedenfalls für keinen der beiden.

Dass man - angesichts der unsicheren konjunkturellen Lage - die überlebenswichtige Flexibilität für die Unternehmen nicht gefährden will, zeigt auch der Pilottarifvertrag vom Wochenende für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg. Da wurde zwar vereinbart, dass Unternehmen Zeitarbeitern nach zwei Jahren eine Festanstellung anbieten müssen - aber nur, wenn es sich nicht um einen projektgebundenen Einsatz handelt und kein anderer sachlicher Grund dagegenspricht.

Außerdem beträgt die Durchschnittsverweildauer von Zeitarbeitern im Moment etwa drei Monate. Was nicht so sehr dafürspricht, dass die Zeitarbeit nun plötzlich ein Auslaufmodell wird. Und: Die Möglichkeit, nicht nur 18, sondern 30 Prozent der Stammbelegschaft künftig 40 Stunden pro Woche arbeiten zu lassen, verschafft den Unternehmen zusätzliche Beweglichkeit. Auch mit teurerer Zeitarbeit droht deutschen Unternehmen also nicht die große, neue Starrheit.

  • FTD.de, 23.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 31.05.2012 10:05:37 Uhr   vino1: fehlt "nur" noch ...

    ... ein vergleichbarer Abschluss in allen anderen Branchen, in denen Leiharbeitnehmer eingesetzt werden, um dauerhafte Stammarbeitsplätze zu ersetzen. Da ist die eigentliche Baustelle und der eigentliche Geburtsfehler des AÜG mit der tarifvertraglichen "Abweichung" vom EU-konformen Equal Pay besteht weiterhin.

    Dafür, dass endlich mal jemand die sonst in Bezug auf Zeitarbeit totgeschwiegene Selbstverständlichkeit ausspricht, dass Flexibilität Geld kostet, kann man die FTD nur loben!

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