Die CDU hat ein Herz für Autofahrer. Künftig sollen sich sogar 16-Jährige hinter das Steuer eines Kraftwagens setzen können, um bequemer ihre Ausbildungsstelle zu erreichen. Laut "Saarbrücker Zeitung" ist der Vorschlag Teil des Programms der Partei für die ländlichen Räume. Was fehlt, ist noch ein formeller Vorstandsbeschluss. Wegen des Streits um das Betreuungsgeld vertagte das CDU-Präsidium am vergangenen Montag die Verabschiedung der Pläne.
Der Führerschein mit 16 wurde dabei öffentlich kaum debattiert. Neu sind solche Vorschläge nicht. Aus der SPD kam bereits 2010 die Idee, das begleitete Fahren, das bislang auf 17-Jährige beschränkt ist, auf die ein Jahr jüngeren auszudehnen. Drei Ostländer schlugen im letzten Jahr vor, den Moped-Führerschein für 15-Jährige einzuführen. Auch damals ging es den Initiatoren um die Mobilität in dünn besiedelten Regionen.
Im ländlichen Raum hätten Jugendliche oft große Probleme, ihre Lehrstellen zu erreichen, da öffentliche Verkehrsmittel fehlten, begründete der parlamentarische Staatsekretär im Verbraucherministerium, Peter Bleser (CDU), den neuen Vorstoß. Allerdings dürfte auch die städtische Jugend das neue Angebot annehmen- trotz engmaschigen öffentlichen Verkehrsnetzen.
Sorgen um die Verkehrssicherheit kontert Bleser mit dem Argument, die Teenies dürften nicht schneller als 80 Stundenkilometer mit dem Auto fahren. Wie diese Geschwindigkeitsbegrenzung kontrolliert werden soll, bleibt im Dunkeln. Verkehrssicherheitsexperten dürfte es grauen vor der Vorstellung, dass demnächst Pubertierende in Papis BMW die Straßen unsicher machen.
Die CDU-Initiatoren haben offenbar keine Angst vor Tempomutproben im Straßenverkehr. Die Eltern müssten zustimmen, wenn ihre jugendlichen Kinder den Führerschein machen wollten, sagt Bleser. Danach sind ihre Kleinen dann auf sich allein gestellt. "Das begleitete Fahren mit 17 ist keine Hilfe", so der Staatssekretär. Die 16-jährigen Azubis sollen allein zu ihrer Lehrstelle pendeln dürfen. Halten Sie sich an die Tempobegrenzung, dürfen sie sich schon mal auf die Reaktionen der schneller düsenden Erwachsenen gefasst machen, die sich auf offener Landstraße in ihr Heck bohren.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will dafür sorgen, dass aus den Plänen der Schwesterpartei nichts wird. Mit den Worten "Unsinn" und "Unfug" wischte er die Vorschläge im Radiosender "Bayern 2" vom Tisch. Er sage klipp und klar Nein. Damit wird der Vorstoß genauso schnell in der Versenkung verschwinden, wie er aufgekommen ist. Es sei denn die CDU riskiert wegen der Teenies eine Unionskrise.