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Merken   Drucken   31.01.2009, 12:17 Schriftgröße: AAA

Terrorgefahr: Warnung vor Anschlägen in Deutschland  

Verfassungsschutzpräsident Fromm fürchtet, extremistische Organisationen könnten den Bundestagswahlkampf nutzen, um den Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan zu erzwingen. Auch das Bundeskriminalamt zeigte sich besorgt.
Der Bundesverfassungsschutz hat vor islamistischen Anschlägen gewarnt. "Die Gefahr ist sehr groß, dass in Deutschland ein Terroranschlag durch Islamisten verübt wird", sagte Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm dem "Hamburger Abendblatt" (Sonnabendausgabe) einem Vorabbericht zufolge.
Die kürzlich im Internet verbreiteten Drohvideos in deutscher Sprache belegten, dass "Anschläge gegen unser Land vorbereitet werden". Es sei nahe liegend, dass das Extremistennetzwerk Al-Kaida den Bundestagswahlkampf nutzen wolle, um einen Abzug aus Afghanistan zu erzwingen.
"Wir stellen deutliche Parallelen zur Situation in Spanien fest", sagte auch der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke. Kurz nach den verheerenden Terroranschlägen auf vier Madrider Pendlerzüge hatten 2004 in Spanien Wahlen zu einem Regierungswechsel geführt, in dessen Folge die spanischen Truppen aus dem Irak abgezogen wurden. Bei den Anschlägen waren 191 Menschen getötet und mehr als 1800 verletzt worden.
In den vergangenen Wochen waren im Internet zwei Droh-Videos aufgetaucht, in denen direkt auf Deutschland Bezug genommen wurde. Im ersten hatte ein deutsch sprechender Islamist, der sich selbst Bekkay Harrach nannte, Deutschland direkt zum Abzug seiner Soldaten aus Afghanistan aufgefordert. Vor wenigen Tagen folgte ein Video der Islamischen Dschihad-Union (IJU): "In diesem Jahr haben wir ein paar Überraschungspakete an die Besatzungsmächte vorbereitet. Denn der Verbündete der Besatzungsmächte muss immer mit unseren Angriffen rechnen", zitierte die ARD aus dem teils auf Deutsch ausgestrahlten Video.
In Deutschland lebten mehrere hundert möglicherweise gefährlich radikalisierte Personen, sagte Fromm. Die Zahl liege im hohen dreistelligen Bereich. Darunter seien viele eingebürgerte Deutsche und auch Konvertiten.
Der Präsident rief die muslimische Gemeinschaft zur Kooperation mit Verfassungsschutz und Polizei auf. "Wenn auffällt, dass sich junge Leute radikalisieren, sollte das gemeldet werden." Eine für diesen Zweck eingerichtete Hotline des Verfassungsschutzes werde bisher so gut wie nicht genutzt. Der Krieg im Gazastreifen habe die Anschlagsgefahr in Deutschland zusätzlich vergrößert, warnte Fromm.
  • FTD.de, 31.01.2009
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