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Merken   Drucken   31.01.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Treffen der Parteispitze: Die Ratlospartei SPD

Leitartikel Die Sozialdemokraten wollen unbedingt zurück an die Macht. Wie sie das anstellen wollen und was sie dann tun wollen, wissen sie aber selbst nocht nicht. Die Parteiführung scheitert schon daran, eine Wechselstimmung zu erzeugen.
Vielleicht ist es ja ein wenig zu viel erwartet von einer Parteiführung, die Partei zu führen. Ihr Orientierung, Themen, eine Richtung anzubieten, in die man gemeinsam marschieren kann. Denn von allem war wenig zu spüren beim Treffen der SPD-Parteispitze in Potsdam, das am Montag zu Ende ging.
Gewiss, wirklich schlecht geht es der Partei derzeit nicht. Von ihrem Rekordtief 2009 hat sie sich zumindest halbwegs erholt, in Hamburg hat sie sogar die absolute Mehrheit geholt. Und was vielleicht noch viel wichtiger ist: Anders als nach manchen früheren Wahlniederlagen zerfleischt sich die Partei nicht selbst und stellt ihr eigenes Interesse sogar mitunter hintan, etwa wenn es um die Rettung des Euro oder um Auslandseinsätze geht.
Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel   Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel
Andererseits: Mit den rund 30 Prozent, die sie laut Umfragen derzeit erhielte, sind die Aussichten auf einen SPD-Kanzler gering. Und Regierungschefin Angela Merkel bleibt trotz der vergangenen zwei Jahre noch immer die beliebteste Politikerin des Landes. Guttenberg-Rücktritt, Wulff-Affäre, Atomausstiegswenden und Euro-Krise konnten ihrem öffentlichen Ansehen nichts anhaben.
Wie die Sozialdemokraten damit umgehen sollen, wissen offensichtlich weder Parteichef Sigmar Gabriel noch Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier oder Peer Steinbrück. Das demonstrierten sie am Montag in Potsdam. Einerseits, so sagen sie, wollen sie keinen Lagerwahlkampf. Andererseits setzen sie auf eine rot-grüne Mehrheit. Einerseits wollen sie die Regierungsmehrheit erobern. Andererseits können sie nicht so recht sagen, was sie damit anstellen wollen.
Das ist nicht einmal unbedingt ihre Schuld. Herkömmlich linke Themen hat die CDU-Kanzlerin ihnen in den letzten Monaten weitgehend weggenommen - Kinderbetreuung, Atomausstieg, Wehrpflicht, Frauenquote. Und bei Sozialthemen wie Hartz IV kann sich die SPD kaum gegen die eigenen Agenda-2010-Beschlüsse ihrer Regierungszeit stellen. So muss sie über Mindestlohn und gleichen Lohn für Frauen reden - wichtige Themen, gewiss, aber damit gewinnt man keine Wahlen.
Wer bei Wahlen Stimmenmehrheiten erobern will, muss mehr als nur arithmetisch argumentieren, wie es Gabriel derzeit tut. Er muss für eine Wechselstimmung sorgen - die derzeit nicht existiert. Die Bürger brauchen einen griffigen Grund, warum sie Merkel nicht mehr wollen sollen. Den kann ihnen aber die SPD-Führung nicht bieten, zumindest bislang.
So macht sie sich von externen Entwicklungen abhängig: dass der Euro scheitert, die Konjunktur einbricht, die Arbeitslosigkeit steigt oder die soziale Ungleichheit drastisch zunimmt. Das dürften sich aber auch die machtsüchtigsten Sozialdemokraten kaum wünschen.
  • Aus der FTD vom 31.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 02.02.2012 10:23:28 Uhr   EX SPDler: Die Ratlospartei SPD

    Alles kein Wunder. Die SPD ist "die Arbeiterpartei" - gewesen. Heute bewegt sie sich zwischen schwarz und rot - völlig profillos und ohne Agenda. Ihr Wählerpotenzial (alle Harz IVer und deren Angehörige) hat sie sich mit der Agenda 2010 (danke Herr Schröder) selbst verprellt. - Und was ist sie noch? Sie ist die Alternative zu gefrusteten CDU, Grünen und FDP-Wählern - und sammelt damit beachtliche Schnittmengen ein. Nicht mehr und nicht weniger!

  • 31.01.2012 19:01:07 Uhr   Z.w.ie(ü)bel: Ratlose Parteien
  • 31.01.2012 16:14:10 Uhr   sympathisant: SPD muß ehrlich werden....
  • 31.01.2012 12:03:39 Uhr   Suli: die SPD darf sich nicht die Butter vom Brot n...
  • 31.01.2012 11:34:59 Uhr   Arminius: SPD? - Nichts fürs 21. Jahrhundert
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