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  FTD-Serie: Reportage-Reihe: Deutschland vor der Wahl

Ökonomisch steckt Deutschland in der Krise, politisch kann es sich voraussichtlich im Herbst entscheiden. Was erhoffen sich Unternehmer, Bürgermeister und andere Entscheider von einer neuen Regierung?

Merken   Drucken   05.08.2005, 12:00 Schriftgröße: AAA

Trübe Aussichten  

Der Sommer steht im Zeichen des Wahlkampfs. Was ein Mittelständler, ein Werber, ein Oberbürgermeister und eine Arbeitsverwalterin von der Bundestagswahl erwarten. von Ludwig Greven, Hamburg
Eine Säule mit dem Logo der Bundesagentur für Arbeit in Essen   Eine Säule mit dem Logo der Bundesagentur für Arbeit in Essen
Michael Wendt wirkt wie ein Vorzeigeunternehmer aus dem Bilderbuch: stämmig, leutselig, erfolgreich. Mit 21 Jahren übernahm der gelernte Maschinenschlosser im niedersächsischen Georgsmarienhütte einen kleinen, maroden Drei-Mann-Metallbaubetrieb. Heute beschäftigt der 35-jährige Systemanalytiker mehr als 100 Mitarbeiter, die Spezialmaschinen und medizinische Laborgeräte fertigen.
Dennoch drückt ihn Angst vor der Zukunft. Die geringste Sorge ist noch die Auftragslage. Die sei auf Grund der breiten Produktpalette "einigermaßen gut". Weit mehr fürchtet Wendt die Billigkonkurrenz aus Ländern wie Rumänien oder Slowenien. "Was wir können, können die bald auch. Made in Germany zieht nicht mehr."
Mit einiger Wehmut schaut Wendt deshalb auf eine 50 Meter lange Anlage zur Herstellung von Keilriemen, die seine Leute gerade zusammenmontieren. Das Nachfolgemodell wird irgendwo im Osten entstehen - mit seinen Blaupausen. Die musste er dem Auftraggeber gleich mitliefern, so sind die Geschäftssitten in Zeiten der Globalisierung. "Wenn wir uns nicht gewaltig anstrengen", warnt Wendt deshalb, "gerät der gesamte Produktionsstandort Deutschland in Gefahr." Ohne Produktion aber seien die verbliebenen Jobs nicht zu halten. "Nur als Land der Dichter, Denker und Entwickler werden wir nicht überleben."
"Auf uns Kleine kommt es an"
Mehr denn je sieht der Unternehmer deshalb die Politik gefordert - und hofft auf eine neue Aufbruchstimmung nach der Wahl. "Die Regierung muss aufhören, die Probleme der ganzen Welt lösen zu wollen, und sich erst mal um die Probleme im eigenen Land kümmern", fordert er. Und anders als Gerhard Schröder, auf den er 1998 gehofft hatte, dürfe sie sich nicht nur um die großen Konzerne kümmern. "Auf uns Kleine kommt es an. Wir können nicht weglaufen."

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