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  12.06.2006, 08:48  

Ungewisser Ahmadinedschad-Besuch sorgt für Zwist

Als Persona non grata behandeln oder mit Respekt begrüßen? Der Streit, wie Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei der Fußball-WM zu empfangen sei, hält an. Dabei ist unklar, ob der überhaupt nach Deutschland kommen will. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) warnte aber auch vor anderen Störversuchen des Regimes aus Teheran.

In der schwelenden Auseinandersetzung um einen möglichen Ahmadinedschad Besuch scheint bislang einzig klar, dass es kein Einreiseverbot für den Staatschef geben wird. Dies hatte die neue Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, verlangt. Ein solches Verbot wäre nach Einschätzung des stellvertretenden Unions-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Bosbach auch kaum möglich. Es gebe Verträge mit dem Weltfußballverband Fifa, die es erschwerten, eine Einreise zu verhindern, wurde Bosbach im "Tagesspiegel" zitiert.
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach hält Einreiseverbot für ...   Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach hält Einreiseverbot für ausgeschlossen
Der Zeitung zufolge hat Deutschland gegenüber der Fifa eine sichere Einreise für Delegationen der an der WM teilnehmenden Länder vertraglich garantiert. Die Bundesregierung vertrete dazu die Auffassung, dass diese Garantie auch für politische Vertreter gelte. Das WM-Organisationskomitee betrachte Ahmadinedschad indes nicht als Mitglied der Delegation. Die Zeitung zitierte einen Sprecher des Innenministeriums, man werde sich mit der Frage befassen, wenn Ahmadinedschad sein Kommen bekunde.
Besuch eher unwahrscheinlich
Bislang hatte es in Teheran geheißen, Ahmadinedschad plane eine Reise zur WM, falls die Mannschaft Irans die Vorrunde überstehe. Am Sonntag sagte jedoch ein Regierungssprecher, das mögliche Erreichen des Achtelfinales der iranischen Nationalelf sei "zu wenig" für eine Reise des Präsidenten nach Deutschland. Iran verlor am Sonntag sein erstes WM-Spiel gegen Mexiko mit 1:3. Zum dem Spiel war Ahmadinedschads Stellvertreter Mohammed Aliabadi angereist.
Nach Auffassung von Bosbach müsse Ahmadinedschad, auch wenn er einreisen dürfe, klar gemacht werden, "dass er hier nicht willkommen ist". Er dürfe keinesfalls mit Protokoll empfangen werden. Ähnlich hatte sich Beckstein am Sonntag bei einer Demonstration gegen die israelfeindliche Politik Irans in Nürnberg geäußert. "Wenn er nach Deutschland käme, würde ihn nur der Diplomatenpass davor bewahren, verhaftet zu werden. Ein Verbrecher wie Ahmadinedschad ist in Deutschland nicht willkommen."
Milbradt: Jeden gastfreundlich empfangen
Gegen eine demonstrative Ächtung sprach sich der Ministerpräsident Sachsens, Georg Milbradt (CDU), aus. "Ich bin der Meinung, dass wenn wir Gäste bekommen, wir sie auch gastfreundlich empfangen müssen, unabhängig, ob es politische Unterschiede gibt. Wenn man Gastgeber eines solchen internationalen Ereignisses ist, kann man nicht differenzieren zwischen den Gästen", sagte Milbradt der "Leipziger Volkszeitung". Vor Störungen der WM durch das Teheraner Regime warnte Beckstein. "Die Möglichkeit, dass iranische Agenten Aktionen gegen die eigene WM-Mannschaft im Schilde führen, muss in Betracht gezogen werden", sagte der CSU-Politiker der "Bild" vom Montag. Die Zeitung berichtete, der französische Geheimdienst habe deutsche Sicherheitsstellen davor gewarnt, iranische Geheimagenten sollten Provokationen der iranischen Mannschaft planen, um damit Exil-Iraner zu diskreditieren. Zum FTD-PodcastZum FTD-Fußball-Blog "Dropkick"FTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.Zum WM-Spezial News - Fakten - HintergründeZur WM-Börse - Handeln und gewinnen Sie mit den Aktien aller Nationalmannschaften.
  • FTD.de, 12.06.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland
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