FTD.de » Politik » Deutschland » Uno-Bericht wirft deutschen Schulen Diskriminierung vor
  FTD-Serie: Bildungspolitik

Im deutschen Bildungssystem liegt vieles im Argen: marode Schulen, Unterrichtsausfall und zu wenig Hochschulabsolventen. Zugleich ist die Bildungslandschaft in Bewegung geraten. Eine Serie über eines der wichtigsten Zukunftsthemen der deutschen Politik.

Merken   Drucken   21.03.2007, 21:20 Schriftgröße: AAA

Uno-Bericht wirft deutschen Schulen Diskriminierung vor

Deutsche Schulen diskriminieren nach Einschätzung des Uno-Sonderberichterstatters Vernor Muñoz sozial benachteiligte, ausländische und behinderte Schüler. Auf die Kritik reagierten Bildungsfunktionäre zum Teil mit scharfen Worten.
Muñoz forderte am Mittwoch vor dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf die deutsche Politik auf, die Aufteilung in Haupt-, Realschulen und Gymnasien zu überdenken, um Ungleichheit und Chancengerechtigkeit zu beseitigen. "Ich glaube, dass das gegliederte System und die Art der Aufteilung der Schüler soziale Ungleichheit betont", sagte Muñoz.
Kein allzu gern gesehener Gast: Bildungsministerin Annette Schavan ...   Kein allzu gern gesehener Gast: Bildungsministerin Annette Schavan mit Vernor Munoz
Muñoz hatte im Februar 2006 Deutschland besucht, um sich ein Bild von der Chancengerechtigkeit des hiesigen Bildungssystems zu machen. Am Mittwoch stellte er seinen bereits im Vorfeld heftig umstrittenen Bericht bei der 4. Vollversammlung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf vor.
Der Uno-Vertreter verweist auf die Ergebnisse der Pisa-Studie, wonach Deutschland unter den Industrienationen den stärksten Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Leistungen der Schüler aufweist. Am stärksten seien Schüler betroffen, "die in Armut leben, die Bevölkerung mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderungen", sagte er in seiner Rede.
Die Diskriminierung hänge vor allem mit der Aufteilung der Schüler auf verschiedene weiterführende Schulen in einem sehr frühen Alter zusammen, sagte Muñoz. Hinzu komme, dass die Kriterien für die Aufteilung uneinheitlich seien.
"Dünner kalter Kaffee"
Für seine Analyse musste Muñoz zum Teil harsche Kritik einstecken. Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, bezeichnete den Bericht als "dünnen kalten Kaffee". Der Schlüssel zu einer besseren Bildung in Deutschland liege in der Verbesserung der Unterrichtsqualität und in verstärkter individueller Förderung. Darin seien sich alle deutschen Pisa-Forscher einig. Die Unions-Fraktions-Vize Katherina Reiche (CDU) bezeichnete die Muñoz-Kritik als "sachlich falsch und vermessen." Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Jürgen Zöllner (SPD), sagte, die Frage der Schulformen sei sekundär.
Die Bildungs-Sprecherin Linkspartei, Cornelia Hirsch, sprach dagegen von einer "Ohrfeige für die deutsche Bildungspolitik", das Kinderhilfswerk Terre des Hommes kritisierte die Benachteiligung von Migrantenkindern, insbesondere von Flüchtlingen ohne legalen Aufenthaltsstatus. Priska Hinz von den Grünen sagte, Muñoz habe "den Finger in die größte Wunde des deutschen Bildungssystems" gelegt.

Weiter: Bulmahn und GWE veretidigen Muñoz

  • FTD.de, 21.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Pläne zur Einlagensicherung: Für die Kanzlerin ein Angebot zur Güte

    Die Bundeskanzlerin lehnt Eurobonds kategorisch ab. Vielleicht könnte sie den Plänen zu einer europäischen Einlagensicherung eher zustimmen? Das Vertrauen in die Banken würde steigen. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote