Die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, ist in den Ländern unterschiedlich stark von der sozialen Herkunft ab
Die Uno-Menschenrechtskommission lässt jetzt durch einen Sonderberichterstatter das deutsche Bildungssystem untersuchen. Dies erfuhr die dpa am Sonntag. Mit dem weltweiten Pisa-Test waren Deutschland schwere Versäumnisse bei der Chancengleichheit in der Bildung und der Förderung von Migrantenkindern bescheinigt worden. Der Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz, der beim Büro des Hohen Uno-Kommissars zur Wahrung der Menschenrechte in Genf angesiedelt ist, startet am 13. Februar seine Inspektion durch Deutschland.
Zuletzt waren im Auftrag der Uno-Menschenrechtskommission Berichte über das Recht auf Bildung in den Entwicklungsländern Botswana, Kolumbien und Indonesien vorgelegt worden, aber auch aus Problemregionen wie Nord-Irland, China und den USA. Muñoz wird bei seiner siebentägigen Reise durch Deutschland mit Ministerien, Behörden, Forschungsinstituten und Bildungsorganisationen sprechen sowie Schulen und Kindergärten besuchen.
Ermittelt werden soll, wie in Deutschland das Recht auf Bildung für alle Bevölkerungsschichten umgesetzt ist und welche Verbesserungen nach den schlechten Pisa-Ergebnissen verfolgt werden. Dabei soll besonders auf die Situation von Migrantenkindern sowie von Schülern aus einkommensschwachen Elternhäusern und auch Behinderten eingegangen werden. Weitere Themen sind die Vorschulerziehung, Studienmöglichkeiten sowie die Behandlung des Menschenrechtsthemas im Unterricht.
Soziale Herkunft bestimmt Schulkarriere
Die weltweiten Pisa-Tests haben gezeigt, dass der Bildungserfolg eines Kindes in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat so abhängig von der sozialen Herkunft ist wie in Deutschland. Nach der innerdeutschen Pisa-Auswertung haben 15-jährige Oberschichtkinder (Akademiker/Führungskräfte) selbst bei gleich gemessenen Fähigkeiten in den Basiskompetenzen Lesen/Textverständnis und Mathematik bundesweit eine 4,01 mal größere Chance haben, aufs Gymnasium zu gehen, als gleichaltrige Facharbeiterkinder.
Das Institut für Menschenrechte in Berlin bestätigte auf Anfrage, dass man derzeit eine spezielle Studie über die Umsetzung des Rechts auf Bildung in Deutschland erarbeite.
Der Vergleich der Daten des ersten Pisa-Tests 2000 mit der zweiten Erhebung 2003 zeigt zudem, dass der ohnehin schon hohe Wissensvorsprung von Kindern aus der Oberschicht (oberstes Viertel) gegenüber Gleichaltrigen aus der Unterschicht (unterstes Viertel) in mehreren Untersuchungsfeldern bundesweit weiter gestiegen ist. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich, wenn man die Pisa-Ergebnisse von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund vergleicht.