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Merken   Drucken   21.05.2012, 19:09 Schriftgröße: AAA

Unruhige Sozialdemokraten: Ja, da streiten sie wieder

Leitartikel Die SPD könnte den Sommer 2012 ruhig angehen. Schwarz-gelb hat mit sich selbst zu tun, die Grünen sind geschockt von aufstrebenden Piraten. Stattdessen tut die SPD, als wollte sie nicht auf die Regierungsbank.

Die Sozialdemokraten könnten es sich einfach machen - und still genießen, was die Konkurrenten sich selbst derzeit antun: die Union, die sich in einer Führungskrise befindet und deren Parteichefin mehr und mehr zur eisigen Kanzlerin mutiert. Die Linken, die tagtäglich übereinander herfallen. Die Grünen, die noch immer sprachlos sind angesichts des Erfolgs der dilettierenden Piraten. Aber sich besonnen verhalten, geschlossen auftreten, das können Sozialdemokraten anscheinend immer noch nicht. Lieber zetteln wichtige Teile der Partei eine unnötige wie parteischädliche Kanzlerkandidatendebatte an.

Noch sind es fast anderthalb Jahre bis zur Bundestagswahl, eine schnelle Festlegung auf einen Spitzenkandidaten böte Angriffsflächen. Doch das stört manche Genossen wenig. So hat sich jetzt der linke Parteiflügel für Hannelore Kraft ausgesprochen. Dass er damit die drei Männer an der Spitze - Steinbrück, Steinmeier und Gabriel - beschädigt, muss ihm klar sein. Dass der Vorschlag keine Aussicht auf Erfolg hat, ebenso: In der Minute, in der sich Kraft zur Kanzlerkandidatin aufstellen lässt, hat sie verloren: Sie müsste sich zu Recht Betrug an ihren Landeswählern vorhalten lassen, denen sie versprochen hatte, Ministerpräsidentin werden und bleiben zu wollen. Lieber sollten die Parteilinken überlegen, welcher Kandidat ernsthafte Aussichten auf einen Wahlsieg hat - und wie sie ihn als Vorkämpfer für ihre Positionen gewinnen.

Und da ist ja auch noch Sigmar Gabriel. Der Parteichef mit Ambitionen scheint zu glauben, dass man potenzielle Unterstützer für sich gewinnt, indem man sie vor den Kopf stößt. Er nennt die verdienten SPD-Kanzler "alte Zirkuspferde" und moppert über die Anziehungskraft und den Redebedarf der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen - bei deren Bundeskongress. Als wenn dies derzeit das größte Problem der Partei wäre. Mit Frechheiten gegenüber den eigenen Mitgliedern beschädigt er nicht nur sein Ansehen, sondern auch das seiner Partei.

Aber vielleicht hat das einen tieferen Grund. Womöglich will seine SPD gar nicht auf die Regierungsbank, angesichts dessen, was sie dort an Arbeit erwarten würde: Energiewende, Euro-Krise, Griechen-Rettung, Gesundheitsreform, Haushaltskonsolidierung.

Anders ist das alles sonst wirklich nicht mehr zu erklären.

  • Aus der FTD vom 22.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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