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  28.10.2009, 12:14    

Ursula von der Leyen: Star mit Karrierestopp

Sie war hoch gehandelt und ist nur Familienministerin geblieben - Ursula von der Leyen hat den Koalitionspoker verloren. Doch sie kämpft weiter. von Monika Dunkel, Berlin
Kerzengerade steht die CDU-Familienministerin da, das Lächeln ein wenig eingefroren, neben ihr Philipp Rösler von der FDP. Mit ihm hat Ursula von der Leyen in den vergangenen Wochen die Gesundheitsreform ausgefochten. Den Auftritt vor der Presse absolviert sie geschliffen wie immer. Wer es nicht besser weiß, denkt am Freitagfrüh um 11 Uhr noch, dass sie ihre künftige Rolle als Oberärztin der Nation schon ganz gut drauf hat. Doch tatsächlich weiß die 51-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits, dass sie nicht wird, was sie gerne werden wollte: Gesundheitsministerin. Der, der ihr den Posten vor der Nase wegschnappt, hat hingegen noch keinen Schimmer von dem, was auf ihn zukommt. Guido Westerwelle  wird Philipp Rösler, den 36-jährigen Arzt, erst kurz darauf informieren.
"Sie ist total enttäuscht", erzählen die, die sie gut kennen. Sie hatte sich riesig auf den neuen Job gefreut. "Ihre Schränke hatte sie bereits aufgeräumt", berichtet ein anderer aus dem Ministerium, "so sicher war sie, dass es klappt."
Ursula von der Leyen bleibt Familienministerin. Das Ressort ...   Ursula von der Leyen bleibt Familienministerin. Das Ressort Gesundheit geht an Philipp Rösler
Nun das. Ein weitgehend unbekannter Nachwuchspolitiker der FDP bekommt den Job. Ein Jüngelchen obsiegt gegen die ausgebuffte, erfolgreiche Ministerin, die zu den Stars im Kabinett und den Publikumslieblingen gehört. Nicht mal ein Trostpflaster gibt es. Denn von der Leyen bekommt keine weiteren Zuständigkeiten, nicht mal kosmetisch. Der Stern am Kabinettshimmel scheint zu verglühen. Wie konnte das passieren?
Nichts deutete auf die Schlappe hin. Seit Monaten ließ sie durchblicken, dass sie Gesundheit reizt. "Ich bin wahnsinnig gerne Familienministerin, aber Gesundheit kann ich mir auch gut vorstellen." Bereits vergangenen Sommer fiel auf, dass von der Leyen sich einmischte in die Gesundheitspolitik, etwa zum Boykott teurer Krankenkassen aufforderte. Am allerliebsten, erzählen Vertraute, hätte sie Familie und Gesundheit übernommen. Immerhin managte sie schon in Hannover die Doppelfunktion. Und schließlich gehörten Gesundheit und Familie auf Bundesebene lange zusammen.
Auch der Kanzlerin schien die Idee zu gefallen. Die studierte Volkswirtin und Ärztin ist ein Pfund, mit dem Merkel wuchern kann. Sie ist durchsetzungsfähig, bissig und 100-prozentig loyal. In Talkshows schwärmt von der Leyen gern von ihrer Chefin. Mit ihr hat sie seit 2005 für die Kopfprämie gefochten. Von der Leyen durfte also für die CDU die Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege in den Koalitionsgesprächen führen. Die Indizien mehrten sich, dass Supernanny Superministerin wird.

Teil 2: Wie sich die Niederlage erklären lässt

  • Aus der FTD vom 28.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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