Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Verbraucherpreise im Juni um 0,1 Prozent gesunken. Das teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag nach einer ersten Schätzung mit. Grund dafür ist der Preisrutsch bei Energie. Im Mai lag die Teuerungsrate noch bei null.
Experten gehen davon aus, dass die Preise in den Sommermonaten weiter fallen. Eine Deflation - einen Rückgang der Preise auf breiter Front über einen längeren Zeitraum - befürchten sie aber nicht.
"Von wirklicher Deflation kann keine Rede sein"
"Wir sehen keine Deflation", sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. "Am Jahresende werden wir wieder eine Teuerungsrate von einem Prozent haben." Öl kostet derzeit etwa doppelt so viel wie im Dezember vergangenen Jahres. Der WestLB zufolge sind die Preise für viele Lebensmittel, die Gesundheitspflege, Hotels und Restaurants sowie in vielen anderen Bereichen zuletzt noch gestiegen, wenn auch moderat.
"Von wirklicher Deflation - also einem breit angelegten Preisrückgang - kann also nicht die Rede sein", sagte auch WestLB-Chefvolkswirt Sandte. "Bis September werden die Lebenshaltungskosten sinken." Wegen der schwachen Nachfrage in der schwersten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges fällt es Unternehmen schwer, höhere Preise durchzusetzen.
Um die Gefahr einer Deflation schon im Keim zu ersticken, hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins auf das Rekordtief von ein Prozent gesenkt. Mit billigem Geld will sie die Nachfrage anregen und einem Preisverfall vorbeugen. Ziel der Währungshüter ist es, die Teuerungsrate mittelfristig bei knapp unter zwei Prozent zu verankern. Für 2009 erwartet sie im Schnitt 0,3 Prozent, für 2010 sagt sie ein Prozent voraus.
In Deutschland waren die Preise im Juni überraschend um 0,1 Prozent gestiegen, obwohl Experten einen Rückgang erwartet hatten. Sie rechnen nun damit, dass die Kosten für die Lebenshaltung im Juli sinken werden.