Ein Teil des verdorbenen Fleischs wurde verarbeitet
Ein Betrieb in Lastrup bei Cloppenburg, der als Zwischenhändler tätig war, soll große Mengen verdorbenes Geflügelfleisch verkauft haben. Auch in anderen Bundesländern beschlagnahmten die Ermittler Ware in Fleisch verarbeitenden Betrieben. Unterdessen ist Kritik laut geworden, die Lebensmittel-Kontrollen in Deutschland seien zu lax.
An diesem Montag will das Ministerium in Niedersachsen bekannt geben, ob von dem vergammelten Fleisch eine Gesundheitsgefährdung ausgeht. Dann sollen erste Ergebnisse untersuchter Fleischproben vorliegen.
Betrieb nach Verdacht geschlossen
Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte den Betrieb in Lastrup geschlossen, nachdem vor etwa 14 Tagen eine Mitarbeiterin der insolventen Firma berichtet hatte, dort sei gefrorenes Fleisch unsachgemäß aufgetaut und als Frischfleisch verkauft worden. Zudem wird geprüft, ob Fleisch mit Wasser aufgespritzt wurde, um das Gewicht zu erhöhen. Die Justiz ermittelt wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat nach einem Medienbericht bereits Anfang 2005 Hinweise auf die Betrugsmasche des Betriebs bekommen. Auch der Sprecher des Verbraucherministeriums in Hannover, Gert Hahne, sagte, "man kann davon ausgehen, dass das Prinzip schon länger läuft". Es könnten vor allem Döner-Buden und kleinere Läden betroffen sein, Supermarkt-Ketten dagegen kaum.
Grüne fordern schärfere Kontrollen
Die Grünen im Bundestag forderten eine Reform der aus ihrer Sicht unzureichenden Lebensmittelkontrolle in Deutschland. "Eine effektive Lebensmittelkontrolle ist bislang von den Bundesländern verhindert worden", sagte die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Ulrike Höfken. Die Föderalismus-Kommission müsse das "bestehende Chaos mit unterschiedlichen Kompetenzen" beseitigen. Auch die Grünen- Fraktion im Landtag in Hannover kritisierte, die Fleischmafia werde durch zurückhaltende staatliche Kontrollen begünstigt. Ministeriumssprecher Hahne sagte dagegen, die Länder könnten besser beurteilen als Berlin, was in den Regionen kontrolliert werden müsse.
Die Behörden durchsuchten nach dem Verdacht in Lastrup rund 20 Fleisch verarbeitende Betriebe in mehreren Bundesländern. Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Nordrhein-Westfalen wurden bis Sonntag etwa 2,2 Tonnen Putenschenkel und -brust sowie Gänsehälse sichergestellt. Nach ersten Erkenntnissen sind "geringe Mengen" an den Verbraucher gelangt. In Mönchengladbach war ein Teil der Waren bereits an zwei Restaurants, eine Pizzeria und ein Bistro ausgeliefert worden, wurde aber noch rechtzeitig entdeckt, teilte die Stadt mit. Die Bremer Gesundheitsbehörde berichtete dagegen, von einer Lieferung Putenfleisch aus Lastrup sei nichts in den Einzelhandel gekommen.