Das empfiehlt eine neue Studie, die vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie erstellt wurde. "Insbesondere in Ostdeutschland steht das System Schiene in einigen Gegenden zur Disposition", sagt Jürgen Peters, einer der Autoren. "Hier sollte man auf Busse oder Kleinbusse umsteigen, weil Züge sich nicht mehr lohnen." In sehr dünn besiedelten Regionen sollte man auch die Schulbusse abschaffen und den Kindern Gutscheine geben, mit denen sie sich gemeinsam Sammeltaxis nehmen könnten. "In Schweden oder Zentralfrankreich ist das schon üblich."
In ihrer Studie haben die Wissenschaftler untersucht, wie sich der Verkehr in Deutschland bis zum Jahr 2030 entwickeln wird. In wichtigen Punkten widersprechen sie dem Bundesverkehrswegeplan der Bundesregierung. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass die Entwicklung immer weiter auseinanderläuft: Während der Verkehr in den Boomregionen Hamburg, Rhein-Main, Stuttgart und München kräftig zulegen wird, geht der Trend in weiten Teilen Ostdeutschlands, aber auch im Zentrum der Republik sowie im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Teilen Baden-Württembergs genau in die andere Richtung.
Die Forscher haben bei ihrer Studie angenommen, dass die Kosten für Mobilität in den nächsten Jahren schneller steigen als die allgemeinen Verbraucherpreise. Außerdem gehen sie davon aus, dass sich der motorisierte Individualverkehr stärker verteuert als das Reisen mit dem Zug.
Der Grund: In fünf bis zehn Jahren werde es eine Pkw-Maut auf allen Straßen außerhalb der Städte geben, gerade angesichts der Haushaltsnot der Regierungen durch die Wirtschaftskrise. Außerdem werde der Ölpreis bis 2030 auf 250 $ je Barrel steigen, nehmen die Autoren an. Die Schiene habe dagegen noch Effizienzreserven durch mehr Streckenausschreibungen, wodurch der Wettbewerb steigt und die Preise günstiger ausfallen als im Monopol.
Der Bundesverkehrswegeplan geht hingegen davon aus, dass sich der Verkehr auf der Straße im Gleichschritt mit dem Zugverkehr und der Inflationsrate verteuert.
Die Berliner Forscher fordern, die Infrastruktur viel konsequenter dem wachsenden oder schrumpfenden Verkehr in den verschiedenen Regionen anzupassen, als das Verkehrsministerium es plant. Neue Autobahnen in dünn besiedelten Landstrichen zum Beispiel dürfe es nicht mehr geben.
Teil 2: Güterverkehr auf der Schiene wächst allerdings