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Merken   Drucken   04.01.2011, 16:00 Schriftgröße: AAA

Verseuchte Eier: Bitte kein Aktionismus im Dioxin-Skandal

Leitartikel Die Kontrollen haben funktioniert, Behörden rasch reagiert, um die Bevölkerung zu schützen. Die Justiz knöpft sich Verantwortliche vor. Der Fall bietet also bisher keinen Grund, schärfere Gesetze und Prüfungen der Hersteller zu verlangen. Politiker sollten das beachten.

Auf Lebensmittelskandale, wie wir ihn derzeit erleben, wird ja gern erst einmal mit Kritik an den Behörden reagiert. Dabei haben sie im Fall der dioxinbelasteten Eier durchaus Lob verdient: Nur gut eine Woche hat es nach den ersten Funden gedauert, bis die Kontrolleure die lange Herstellungskette zurückverfolgt und die Quelle der Verseuchung ermittelt hatten. Daraufhin haben mehrere Bundesländer sofort alle Höfe gesperrt, die verunreinigtes Futter vom wahrscheinlichen Verursacher bezogen hatten.

Der Fall bietet daher bislang noch keinen Grund, sofort nach einer Verschärfung der Gesetze und Kontrollen zu rufen, oder eine striktere Trennung der Futtermittelherstellung von anderen Produktionsketten verlangen. Wenn Verbraucherschützer und Politiker dies tun, ist das zunächst einmal nicht viel mehr als billiger Aktionismus, um die Bürger zu beruhigen und die eigene Bedeutung zu betonen.

Denn bislang sind in den Kontrollsystemen keine wesentlichen Lücken zu erkennen. Nach jetzigem Stand haben die Prüfungen ausgereicht, um die Verunreinigung zu entdecken. Die Behörden haben schnell reagiert, um die Bevölkerung zu schützen, die Staatsanwalschaft ermittelt nun die Verantwortlichen, und ein Gericht kann hohe Geld- oder Gefängnisstrafen verhängen.

Gewiss, gerade der deutsche Markt lädt zur Missachtung von Grenzwerten ein. Nirgendwo sonst ist der Preisdruck bei Lebensmitteln so groß wie hierzulande: Supermarktketten unterbieten sich ständig mit Billigstangeboten. Da ist die Verlockung groß, durch die Beimengung billigerer Stoffe, die für Verbraucher gefährlich sind, den Produktionspreis zu drücken, um wettbewerbsfähig zu sein. Oder sie stellen lieber Personal ein, das zwar weniger Lohnkosten verursacht, aber unzureichend qualifiziert ist.

Nun das Hohelied auf teurere Bioprodukte zu singen, hilft auch nicht weiter. Denn erstens haben die Kunden längst die Wahl. Sie wissen, dass das Billigei im Supermarkt um die Ecke nicht von glücklichen, freilaufenden Hühnern vom Öko-Bauern stammt, sondern aus der Massentierhaltung. Dennoch schauen viele nur auf den Preis und nicht auf die Qualität.

Und zweitens: Selbst wenn, wie einige nun fordern, die Politik Mindestpreise für die Produzenten festlegen würde oder gar Preiswettbewerb verbietet, wird es zu Betrugsversuchen kommen. Sicher, es kann nie schaden, die Kontrolldichte zu erhöhen, um zu ermitteln, ob Betriebe oft und intensiv genug geprüft werden und ob die Länder genügend Personal dafür einstellen. Dummheit, Fahrlässigkeit und kriminelles Handeln können nunmal auch selbst die schärfsten Gesetze und dichtesten Kontrollen nicht völlig verhindern.

  • FTD.de, 04.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 09.01.2011 15:11:20 Uhr   P. Dieterlen: Dioxinskandal.

    wofür haben wir Landwirtschafts-und Verbraucherminister wenn wir ständig durch unsere Leb
    unsere Lebensmittel vergiftet werden? BSE,Dioxin,etc.Wird das so weitergehen?

  • 07.01.2011 22:50:11 Uhr   O.H.: Die Kontrollen haben funktioniert?
  • 07.01.2011 22:08:11 Uhr   Ole H.: Schon vor 1nem Jahr
  • 07.01.2011 18:25:51 Uhr   Walter : Empörung über nichts
  • 07.01.2011 02:02:13 Uhr   Adrienne Kneis: Bekämpft werden Symptome statt Ursachen
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