Verteidigungsminister a. D.:In der Wirtschaft ist Guttenberg ein Härtefall
Der ehemalige Verteidigungsminister ist jetzt quasi arbeitslos. Und nun? Die FTD hat führende Headhunter gefragt, wie sie die Jobchancen von Karl-Theodor zu Guttenberg einschätzen. von Martin Scheele, Hamburg,
Andreas Theyssen und Timo Pache, Berlin
Eigentlich ist Karl-Theodor zu Guttenberg an diesem Donnerstagmittag schon gar nicht mehr Minister, als er sich auf dem Appellplatz des Bendlerblocks aufstellt. Zwei Stunden zuvor hat er seine Entlassungsurkunde von Bundespräsident Christian Wulff entgegengenommen. Doch den Soldaten der angetretenen Ehrenformation ist dies egal. "Tag, Soldaten", ruft Guttenberg zur Begrüßung. "Tag, Herr Minister", schallt es über die riesige Freifläche vor dem Ministerium zurück.
Karl-Theodor zu Guttenberg beim Empfang für den neuen Verteidigungsministers Thomas de Maiziere
Wenige Minuten später taucht der neue Dienstherr Thomas de Maizière zur Amtsübergabe auf. Die beiden singen die Nationalhymne und schreiten die Ehrenformation ab. Zum Schluss stellt Guttenberg seinem Nachfolger die wichtigsten Generäle und Mitarbeiter des Hauses vor. Dann ist es vorbei, Guttenberg ist quasi arbeitslos.
Noch nie ist ein so junger Spitzenpolitiker, dem weit mehr zugetraut wurde, so schnell aus all seinen Jobs und Verpflichtungen ausgestiegen. Spekuliert wird schon jetzt über ein Comeback in der Politik. Aber auch die Wirtschaft müsste sich die Finger lecken, sollte man meinen. Die FTD hat führende Headhunter befragt - doch die bewerten Guttenbergs Aussichten auf dem Arbeitsmarkt eher skeptisch.
"In Deutschland würde ich Guttenberg so gut wie keine Chance mehr geben. Ich würde ihm raten, es wie der frühere Siemens-Chef Klaus Kleinfeld zu machen und in die USA zu gehen. Dort sehe ich Guttenberg sofort im Board einer großen Kapitalgesellschaft, nicht nur, weil er exzellent Englisch spricht. Er bringt alle Voraussetzungen mit. Er kann sich sehr schnell in komplexe Themen einarbeiten. Er kann Menschen für sich gewinnen, sie faszinieren. Und nach allem, was ich über ihn weiß, hört er den Menschen auch zu und nimmt ihr Urteil an. Ich könnte ihn mir sogar in den Boards von Microsoft oder Apple vorstellen."
"Ich bin davon überzeugt, dass erst einmal genügend Zeit ins Land gehen muss, bevor Herr zu Guttenberg eine adäquate Führungsposition in der Wirtschaft finden könnte; er verfügt hier über zu wenig Erfahrung. Man kann ihn in keiner Weise mit Roland Koch vergleichen, dem aufgrund seiner langjährigen und viel breiteren Erfahrung ein Konzernvorsitz angeboten wurde. Eine führende Mitarbeit in einem Verband wäre sicherlich eine interessante Alternative für ihn, denn er ist sehr eloquent und vorzüglich in der Lage zu repräsentieren."
"Ich sehe ihn nicht in einer Vorstandsrolle in der Industrie. Welche Substanz er mitbringt, könnte ich erst nach einem persönlichen Interview beurteilen. In diesem Zusammenhang würden alle beruflichen Stationen genau durchleuchtet. Charisma und Substanz verbunden mit Managementqualitäten und strategischem Denken sind oft nicht deckungsgleich. Mit Sicherheit bringt er viele Eigenschaften für eine Nachfolge von Thomas Gottschalk mit."
"Ich sehe ihn beruflich langfristig gesehen wieder in der Politik. Zu einem Engagement in der Wirtschaft rate ich ihm im Moment nicht. Kurz- und mittelfristig könnte ich ihn mir jedoch exzellent in einer internationalen Organisation vorstellen, weil er weltgewandt ist. In den USA genießt er sehr viel Sympathie, sodass sich die Frage stellt, ob die Bundesregierung ihren Einfluss nicht ausüben könnte, um ihm ein interessantes Mandat, wie zum Beispiel in einer Uno-Unterorganisation, zu verschaffen. Er hat viele Talente, die lange nicht ausgeschöpft sind."
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