Seine Fachkompetenz und sein Organisationstalent werden von Freund wie Feind gepriesen. Dennoch staunten viele, als Vladimir Spidla vor einem Jahr vom "Urgestein" der Sozialdemokraten, Milos Zeman, zu seinem Nachfolger als Parteivorsitzender gewählt wurde. Die beiden Männer könnten verschiedener nicht sein.
Zeman, wortgewaltig und aufbrausend, setzte während seiner Amtszeit auf Polemik und Parteidisziplin. Spidla, zuvorkommend und ruhig, bevorzugt den sachlichen Dialog und sucht nach Konsens. Spidla sei ein Mensch, der Ehrlichkeit und Mitgefühl in die Politik einbringen wolle, sagen seine Freunde. Seine Gegner sehen in dem Philosophen und Historiker dagegen eine farblose Gestalt ohne "Ecken und Kanten".
Noch vor einem Jahr war der 51-jährige Spidla selbst in Tschechien unbekannt. Er war keiner, der das kommunistische System herausgefordert hatte wie Dichterpräsident Vaclav Havel. Vielmehr übte er in der südböhmischen Provinzstadt Jindrichuv Hradec verschiedene zweitrangige Jobs aus. Er arbeitete im Kulturdezernat, leitete das regionale Archäologiemuseum, ging dann als Facharbeiter in eine Fabrik. Allerdings war Spidla auch kein Mitläufer: Er trat nie der Kommunistischen Partei bei.