Weder inhaltlich noch personell hat die Partei diesen Zulauf derzeit verdient. Sie ist zu dem zurückgekehrt, was sie zu Anfang war: ein Auffangbecken für Protest. Sie demonstriert gegen die Atomkraft, gegen einen neuen Bahnhof in Stuttgart oder gegen Stromleitungen und Windräder im Thüringer Wald - selbst wenn das dann ihren Kampagnen für mehr Ökostrom und mehr Bahnverkehr widerspricht. Zu wichtigen Debatten dagegen - seien es die Sarrazin-Thesen, die Hartz-IV-Reform oder auch die Euro-Krise - sind sie kaum zu hören. Es scheint, als wäre die Parteiführung in Deckung gegangen, aus Scheu, ein Positionsbekenntnis könnte die neuen Fans wieder vertreiben.
Das war einmal anders. Seit der Wiedervereinigung haben sich die Grünen eine Reihe neuer Themenfelder erschlossen und Standpunkte neu definiert, selbst wenn das den Abschied von alten Dogmen und Anhängern bedeutete. Als sie dann Juniorpartner in einer rot-grünen Regierung wurden, schienen sie sogar oft vernünftiger und konsequenter als die Sozialdemokraten - ohne dass es der Partei bei Wahlen geschadet hätte.
Das alles haben die Grünen aber nun wieder aufgegeben. Sie haben sich wieder auf eine reine Umweltpartei reduziert. Das mag funktionieren, solange sich die halbe Republik über die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke aufregt. Dass diese Empörung bis zur nächsten Bundestagswahl 2013 anhält, ist allerdings zweifelhaft.
Solch eine Selbstbeschränkung kann gefährlich werden. Schon einmal hat eine Partei in den Jahren ihrer Oppositionszeit all ihren Realismus und ihre programmatische Bandbreite aufgegeben und Erwartungen geschürt, die sie dann als Regierungspartei unmöglich erfüllen konnte. Inzwischen liegt die FDP in Umfragen bei fünf Prozent.