Die Pisa-Studie untersucht international die Leistungsfähigkeit von Schülern
Nachdem er im vergangenen Jahr das Schulsystem Botswanas geprüft hat, ist Uno-Bildungsdetektiv Vernor Muñoz am Dienstag in Berlin eingetroffen. Der Jura-Professor aus Costa Rica tourt um die Welt, um das Menschenrecht auf Bildung zu überwachen.
Es ist ein pikanter Zufall, dass sich der Uno-Sonderberichterstatter in diesem Jahr einen aktuellen Überblick über die Bildung von Migranten verschaffen will. Dazu reist er in viele Länder, denn sein Ziel ist "ein möglichst umfassendes und ausbalanciertes Bild der verschiedenen Weltregionen". Dass Muñoz dabei in Europa Deutschland besucht, ist ein weiterer Zufall. Er darf nur auf Einladung eines Landes einreisen. Muñoz hatte mehrere europäische Staaten angeschrieben - die erste Einladung kam aus Deutschland.
Doch ein Routinebesuch kann eine solche Inspektion im Pisa-geschockten Deutschland gar nicht werden. Die Chancengleichheit in der Bildung, so weiß seit Pisa jedes Kind, liegt hier zu Lande im Argen.
In keinem anderen Industrieland entscheidet die soziale Herkunft so stark über den Bildungsabschluss. Vor allem Migrantenkinder werden besonders benachteiligt. Ganz gleich, wie vorsichtig Señor Muñoz in der kommenden Woche in Schulen und Kindergärten auftritt: In der aufgeladenen Bildungsdebatte kommt für Bildungsexperten aller Glaubensrichtungen sein Besuch genau zum richtigen Zeitpunkt.
"Menschenrecht auf Bildung"
Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war die Inspektion bereits ein willkommener Anlass zu orakeln, "ob Deutschland gegen das Menschenrecht auf Bildung verstößt". Als Lösung brachte die Bildungsgewerkschaft, wie so oft, ihr Patentrezept ins Spiel: die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems.
Diese Sichtweise behagte Bildungsministerin Annette Schavan am Montag im ZDF-Morgenmagazin überhaupt nicht. Doch auch für die CDU-Politikerin kam der Besuch des Sonderberichterstatters zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt: "So viel Reform wie im Moment und so viel Bewegung, wie es im Moment in unseren Schulen gibt, gab es seit 50 Jahren nicht mehr." Trotz dieser optimistischen Sichtweise ließ Schavans Ministerium am Montat aber kein Wort über den Verlauf ihres Gesprächs mit Muñoz verlauten. Bildung liege in der Zuständigkeit der Länder, hieß es: Schavan wolle sich da nicht einmischen.
Das wiederum irritierte die FDP, die von Schavan forderte, "sich nicht hinter Zuständigkeitsfragen zu verstecken". Sie müsse schließlich endlich bundesweit die frühkindliche Bildung und Betreuung zum Schwerpunkt machen. Daher befand auch der liberale Bildungsexperte Patrick Meinhardt: "Der Besuch von Herrn Vernor Muñoz kommt gerade richtig."