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Merken   Drucken   31.12.2011, 07:00 Schriftgröße: AAA

Von der Leyens Reform: Frauen raus aus der Altersarmut

Kommentar Ministerin Ursula von der Leyen will die Altersversorgung reformieren. Doch die von ihr geplante Zuschussrente geht die Ursachen der Rentnerarmut nicht an. von Maike Rademaker 
Keine Verlierer, nur Gewinner. So hat im Jahr 2000 der damalige Rentenminister Walter Riester das Ergebnis seines Rentenmodells prognostiziert. Elf Jahre später steht fest, dass diese Ansage falsch ist. Die Riester-Rente ist nicht besser als viele andere Sparanlagen - es gibt viele Verlierer und wenig Gewinner.
Nun will Rentenministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Rente reformieren. Sie will die schlimmste Zukunftsangst der Deutschen ausräumen: die Altersarmut. Doch ihr Ansatz ist falsch - und dieses Mal gäbe es sehr viele Verlierer.
Ursula von der Leyen will etwas gegen Altersarmut tun   Ursula von der Leyen will etwas gegen Altersarmut tun
Der Fehler liegt schon im Grundgedanken. Altersarmut, so der Ansatz, lässt sich vermeiden, indem man magere Renten unter gewissen Bedingungen aufstockt. Diese Bedingungen, wie zum Beispiel 35 Jahre Beitragseinzahlung in die Versicherung, sind anspruchsvoll. Der Vorschlag suggeriert, dass wer sich sein Leben lang anstrengt, auch belohnt werden soll. Sozialverbände zweifeln stark an, dass diese Bedingungen überhaupt erfüllbar sind. Selbst wenn es aber möglich wäre, wäre eine Aufstockung nur eine Symptombekämpfung. Was das Konzept nicht einmal antastet, sind die Ursachen für Altersarmut.
Denn die liegen tiefer. Altersarmut, sagen die Statistiken, droht ganz bestimmten Gruppen: Frauen, Niedriglöhnern, Invaliden, Selbstständigen. Invalidität ist dabei das einzige Unglück, das kaum beeinflussbar ist.
Aber schon bei Frauen und Niedriglöhnern lässt sich sehr viel tun - wenn man grundlegend umsteuert. Altersarmut wird vermieden, wenn diese Menschen die Rahmenbedingungen bekommen, dass sie selbst vorsorgen können.
Antiquiertes Anreizsystem
So wachsen Frauen offenbar immer noch mit der Ansicht auf, dass sie für ihre finanzielle Lebensplanung nicht selbst zuständig sind. Wie sollen sie auch anders reagieren, bei einem Anreizsystem, das heiraten, Kinder bekommen und weniger arbeiten unterstützt: Ehegattensplitting, Mitversicherung in der Krankenkasse, Rentenansprüche in Erziehungszeiten. In Zahlen sieht das so aus: Die Erwerbstätigenquote von Frauen in Deutschland liegt bei 66 Prozent. Rund 45 Prozent dieser erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit.
Dieses Anreizsystem ist antiquiert. Frauen müssen lernen, dass sie über Berufsauswahl und Berufstätigkeit ihren Lebensunterhalt und ihre Rente bestimmen und nichts und niemand sonst. Sie müssen begreifen, dass Gehaltsverhandlungen kein Spaß sind. Sie müssen aufhören, sich mit Teilzeit oder einem Minijob zufriedenzugeben. Sie müssen aufhören zu glauben, dass eine lebenslange Ehe ausreicht, um über die Runden zu kommen. Laut Grundgesetz sind Ehe und Familie besonders geschützt. Aber es steht nicht darin, dass damit die Verantwortung für die individuelle Lebensplanung entfällt. Es steht auch nicht darin, dass Männer die Alleinernährer zu sein haben und für Kinderbetreuung nicht zuständig sind.

Teil 2: Minijobs - schlimmste ungeregelte Pest

  • FTD.de, 31.12.2011
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Kommentare
  • 31.12.2011 15:29:29 Uhr   no.tea.today: Ich als Mann

    (mit 40 Jahren Lohnsteuer und Sozialabgabenerfahrung bis jetzt) wäre auch gerne vor Altersarmut geschützt. Wenn ich es denn bis 67 + 7 Monate schaffe. Für die letzten 7 Jahre und 5 Monate. Laut statistischer Mitte die Restlebenszeit eines männlichen Geringverdieners.

  • 31.12.2011 12:35:28 Uhr   Horst Simon: Wieder jemand, der es besser weiß
  • 31.12.2011 11:21:07 Uhr   Dichter Denker: Lieber mal die Konsequenzen betrachten
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