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  16.06.2009, 11:25    

Von Schlössern und Luxushotels: Abstruse Investments der Landesbanken

Nicht kleckern, sondern klotzen - das scheint die Devise vieler Landesbanker gewesen zu sein. Beim Jonglieren mit Milliarden kauften sie Ausflugsschiffe oder ganze Berge - nicht nur zum Vorteil des Steuerzahlers.

von Kai Schöneberg
"Wozu braucht ein Banker einen tonnenschweren Geländeschlitten als Dienstwagen?", wundert sich Thomas Böwer. Mit einer Anfrage in der Hamburger Bürgerschaft hat der SPD-Abgeordnete zutage gefördert, dass die angeschlagene HSH Nordbank über einen ansehnlichen Fuhrpark für ihr Führungspersonal verfügt: 62 Fahrzeuge, darunter S-Klasse und A8, aber auch gleich vier geländegängige Luxus-SUV Audi Q7. Zudem zweimal die M-Klasse, das Konkurrenzmodell von Mercedes - und sogar einen Mini-Cooper. "Damit auch die Vorstandssekretärin angemessen Dienstwagen fahren kann", sagt Böwer kopfschüttelnd. Die Bank legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass es eine Führungskraft und keine Sekretärin sei, die mit dem Mini unterwegs ist.
Die Aufregung wäre kaum so groß, wenn die Landesbank, an der Schleswig-Holstein und Hamburg beteiligt sind, nicht gleichzeitig Milliardenverluste eingefahren hätte: 2,7 waren es im vergangenen Jahr, 30 Mrd. Euro Garantien für die Emission von Anleihen bekam die HSH vom staatlichen Banken-Hilfsfonds Soffin. Für Furore sorgt auch, dass die klamme Bank in Besitz eines 28 Meter langen Ausflugsschiffs ist. Die Bank-Barkasse namens "Merkur II" wird jetzt für 300 Euro pro Stunde vermietet - um Defizite zu begrenzen. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss soll Licht in das HSH-Debakel bringen.
Bis Ende 2010 sollen sich die angeschlagenen Landesbanken in Deutschland neu erfinden: Ihre Zahl soll von derzeit sieben auf drei schrumpfen, Geschäftsfelder und Mitarbeiterstärke sollen drastisch reduziert werden. Darauf dringen Bund und EU. Mit ihren derzeitigen Geschäftsmodellen haben die Institute, zum Großteil in der Hand von Ländern und Sparkassen, Riesenverluste angehäuft. Das liegt daran, dass sie in Wertpapiere investiert haben, die sich als toxisch entpuppten, aber auch am großspurigen Verprassen.
Teaserbild für Bilderserie Engagement der Landesbanker   Teaserbild für Bilderserie Engagement der Landesbanker
Ein Blick in die Bilanzen zeigt: Viele Landesbanker leben und arbeiten auf großem Fuß - nicht nur die HSH Nordbank steht wegen sonderbarer Engagements in der Kritik.
Beispiel BayernLB. Noch sperrt sich vor allem Ministerpräsident Horst Seehofer  (CSU) gegen die Fusionspläne aus Berlin und Brüssel. Dabei steht seine Landesbank besonders in der Kritik: 11 Mio. Euro Minus brachte den Bayern-Bankern im vergangenen Jahr das Schlosshotel Velden ein. Einst hatte Roy Black das Anwesen mit dem traumhaftem Ambiente in der TV-Serie "Schloss am Wörthersee" berühmt gemacht.
Die BayernLB, die 2008 rund 5 Mrd. Euro Miese einfuhr, war vor zwei Jahren durch die Übernahme der Hypo Alpe Adria zum Herrn von Schloss Velden geworden. Nicht ihr einziges Pleite-Engagement: Auch ein Luxushotel am Obersalzberg - während der NS-Diktatur stand hier Hitlers Feriendomizil - bringt den Bayern jedes Jahr Millionenverluste.

Teil 2: Die Bank und der Berg

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    © 2009 Financial Times Deutschland
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