Merkel wiederholte ihre Verteidigungsstrategie, wonach Wulff mit der Beantwortung Hunderter Fragen Transparenz geschaffen habe. "Diese Offenheit kann meines Erachtens Vertrauen zurückgewinnen helfen", sagte die CDU-Chefin. "Sollte es noch offene Fragen geben, bin ich sicher, dass der Bundespräsident sie ebenso umfassend beantworten wird wie alle Fragen bisher".
Kubicki und Lafontaine reagierten mit ihren indirekten Rücktrittsforderung auf Berichte, nach denen der Filmunternehmer David Groenewold einen gemeinsamen Urlaub mit Wulff auf Sylt im Jahr 2007 bezahlt hatte. Wulffs Anwälte hatten aber mitgeteilt, dass der damalige Ministerpräsident die Summe beim Auschecken in bar zurückgezahlt habe.
Kubicki sagte im Südwestrundfunk, er könne sich kaum vorstellen, dass Wulff seine Übernachtungskosten tatsächlich dem Filmunternehmer in bar überreicht und zugleich die Nebenkosten mit der Kreditkarte bezahlt habe. Diese Darstellung von Wulffs Anwälten sei lebensfremd und "extrem unwahrscheinlich". Die Erklärungen von Wulffs Anwalt hätten zu einer "schweren Belastung" der Glaubwürdigkeit und Wirkungsmöglichkeiten des Staatsoberhaupts geführt. Der "böse Schein", der im Fall Wulff entstanden sei, würde bei einem einfachen Ministerialbeamten mindestens zu einem Disziplinarverfahren führen, sagte Kubicki.
Lafontaine sagte der "Passauer Neuen Presse", ein Bundespräsident müsse das Vertrauen der Bevölkerung haben. Er erwarte daher ein klärendes Wort von Bundeskanzlerin Merkel. Deren Solidaritätsbekundungen für Wulff seien "ähnlich instinktlos wie die anfängliche Verharmlosung der Plagiate von Karl-Theodor zu Guttenberg", sagte Lafontaine in Anspielung auf den im vergangenen Jahr als Verteidigungsminister zurückgetretenen CSU-Politiker.