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Merken   Drucken   16.08.2009, 18:09 Schriftgröße: AAA

Wahlkämpfer Müntefering: Keine Angst vorm roten Mann  

Der gefürchtete SPD-Wahlkämpfer Franz Müntefering kommt nicht richtig in Gang. Das zeigt sich auch bei seinen Auftritten vor Ort. Schon regt sich in der SPD erste Kritik. Seine Zukunft als Parteichef ist ungewiss. von Jens Tartler
Franz Müntefering  steht auf einer Straßenkreuzung in Gelsenkirchen, die sich Platz Federico Garcia Lorca nennt. Höchstens 40 Menschen sind gekommen, davon etliche Kinder, die sich wohl eher von der Hüpfburg und dem Gratis-Eis als vom SPD-Vorsitzenden haben locken lassen. Während die Kinder hüpfen, spricht Müntefering von CDU und FDP, die mit ihren Steuergeschenken "den Sozialstaat kaputt machen wollen". Deshalb gehe es bei der Bundestagswahl am 27. September "um die Zukunft unseres Landes".
Müntefering sagt, was er immer sagt. Aber die Menschen können ihn nicht richtig verstehen, weil das Mikrofon kaputt ist. Abgehackt werden immer nur einzelne Versatzstücke übertragen. Doch Müntefering spricht eisern weiter. Größer als sein Ärger über die Technik dürfte der über die Reaktion des örtlichen SPD-Ratskandidaten Albert Ude sein. Der sagt nach der kurzen Rede des Parteichefs: "Das Mikrofon hat ja etwas gestottert, wie vielleicht der Wahlkampf insgesamt. Aber der kann ja noch in Gang kommen."
Das wäre vor knapp einem Jahr undenkbar gewesen. Da war Müntefering nach dem Sturz von Kurt Beck am Schwielowsee zum neuen SPD-Chef ausgerufen worden. Und im Konrad-Adenauer-Haus zitterten die CDU-Strategen vor der Wahlkampfmaschine Müntefering, die ihnen bei den letzten Bundestagswahlen das Leben so schwer gemacht hatte. Von Angst ist heute nichts mehr zu spüren, auch wenn die Wahl Ende September noch nicht gelaufen ist.
Aber schon jetzt ist klar: Münteferings Nimbus hat seit dem Schwielowsee schwer gelitten. Viele Sozialdemokraten sehen mit Beunruhigung, dass es Müntefering und seinem Wahlkampfmanager und Vertrauten Kajo Wasserhövel bisher nicht gelungen ist, Angela Merkel und ihre Union ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Die SPD-Kampagne wirkt brav, weder eine Flut noch ein "Professor aus Heidelberg" sind in Sicht.

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