Die Anklage verzichtete darauf, ihn dem Haftrichter vorzuführen. Der Schüler wurde stattdessen mit seinem Einverständnis in eine psychiatrische Klinik gebracht.
Die Anklagebehörde stützt sich bei ihrer Einschätzung auf die Aussagen des 18-Jährigen, aber auch auf Computerdateien und Chat-Protokolle, die auf den sichergestellten Computern der Jugendlichen gefunden wurden. Danach hatten die beiden 17 und 18 Jahre alten Schüler zwar detaillierte Vorbereitungen für die Tat getroffen und auch eine Todesliste erstellt. Doch vor vier Wochen habe der 18-Jährige dann einen Rückzieher gemacht. "Er hat wohl eingesehen, dass das doch kein gangbarer Weg für ihn ist", sagte der Kölner Staatsanwalt Alf Willwacher.
Der ältere Schüler habe die Pfeile einer Armbrust zurückgefordert und dem 17-Jährigen sogar die Sehne der Waffe abgekauft, so dass sie nicht mehr funktionstüchtig war. Daraufhin habe auch der 17-Jährige kalte Füße bekommen und gesagt, allein werde er das wohl nicht machen, sagte Willwacher.
Die Staatsanwaltschaft verzichtete deshalb auch darauf, den 18-Jährigen dem Haftrichter vorzuführen. Der Vorwurf der Verabredung zu einem Verbrechen sei durch den Rückzieher der Jugendlichen vom Tisch, sagte der Anklagevertreter. In Frage komme möglicherweise noch eine Bestrafung wegen der Weitergabe der Armbrust an einen Minderjährigen. Doch handele es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit.
Der junge Mann wurde mit seinem Einverständnis in eine psychiatrische Klinik gebracht, da eine Suizidgefahr nicht ausgeschlossen werden konnte. Der Selbstmord des 17-Jährigen nach einer ersten Vernehmung sei möglicherweise eine Kurzschlussreaktion gewesen. Doch habe er auch zuvor schon Selbstmordabsichten angedeutet, sagte der Staatsanwalt.
Die Polizei wies unterdessen Vorwürfe zurück, sie trage eine Mitschuld an dem Selbstmord, weil die von der Schule alarmierten Polizeibeamten den Jugendlichen nach dem ersten Gespräch alleine hätten nach Hause gehen lassen. Ein Polizeisprecher betonte, der 17-Jährige habe glaubwürdig alle Gewaltpläne geleugnet und auch nicht in das Raster eines "typischen" Amokläufers gepasst. Möglicherweise müsse die Polizei hier das Täterprofil anpassen, hieß es.
Auslöser für die Pläne zum Amoklauf sei möglicherweise gewesen, dass die Schüler im Unterricht über das Attentat von Columbine gesprochen hätten, bei dem im April 1999 zwei amerikanische Jugendliche im US-Bundesstaat Colorado zwölf Mitschüler und einen Lehrer getötet hatten, sagte Willwacher. Der 18-Jährige habe sogar ein Referat über das Thema gehalten. "Aber wer die Idee hatte, das wollen wir auch machen, ist nicht ganz klar. Irgendwann hatten wohl beide die Entscheidung getroffen."
Bei Hausdurchsuchungen fanden die Beamten Softair-Pistolen, zwei Armbrüste mit 16 Pfeilen und eine Liste mit 17 Vornamen von Schülern und Lehrern. Die Polizei stellte auch die Computer der beiden Schüler sicher. Am betroffenen Gymnasium fiel der Unterricht am Montag aus. Die Lehrer wollten in einer Konferenz über das weitere Vorgehen beraten.
Die Polizei war zunächst davon ausgegangen, dass die Schüler für Dienstag einen Amoklauf am Kölner Georg-Büchner-Gymnasium geplant hatten und mit zwei Armbrüsten, möglicherweise aber auch mit Molotow-Cocktails und Rohrbomben ein Blutbad an ihrer Schule anrichten wollten.
Das Land Nordrhein-Westfalen will angesichts der Vorfälle mit einem ganzen Maßnahmenbündel für mehr Sicherheit an den Schulen sorgen. Dazu gehört ein Notfallkonzept, das den Schulen den Umgang mit Krisensituationen wie Amokläufen, Geiselnahmen oder Morddrohungen erleichtern soll, aber auch eine verstärkte Gewaltprävention. Schulministerin Barbara Sommer sagte, die Schule müsse sich gerade Problemfällen besonders widmen: "Es darf keiner unterwegs verloren gehen."