FTD.de » Politik » Deutschland » Hartz-IV-Falle für Jugendliche

Merken   Drucken   26.11.2008, 21:55 Schriftgröße: AAA

Warnung vor Armutsrisiko: Hartz-IV-Falle für Jugendliche  

Eine Studie untersucht den Lebensweg von jungen Hartz-IV-Empfängern. Das Ergebnis ist ernüchternd. von Maike Rademaker (Berlin)
Nur jeder dritte Jugendliche, der einmal Arbeitslosengeld II bezogen hat, findet langfristig aus dem Hilfebezug heraus. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das den Lebensweg von jungen Hartz-IV-Empfängern im Alter zwischen 18 und 29 Jahren untersucht hat. "Die Ergebnisse verweisen auf ein hohes Risiko für die jungen Erwachsenen, dass sich ihr Hilfebezug verfestigt", warnte die Autorin, Brigitte Schels.
Junge Menschen ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung gelten als besondere Risikogruppe. Auch deswegen wurde im Zuge der Arbeitsmarktreformen ein Fokus auf die Betreuung gelegt. So soll bei ihnen ein Vermittler maximal 75 Jugendliche betreuen. Bei den Erwachsenen gilt dagegen ein Betreuungsschlüssel von einem Vermittler auf 150 Arbeitslose. Den Jugendlichen soll so besonders schnell ein Angebot gemacht werden, und auch die Sanktionen können schärfer ausfallen.
Dass Jugendliche sich zwischen Schule und Ausbildung kurzfristig arbeitslos melden, kommt häufig vor. Riskant wird es, wenn diese Jugendlichen bei der Suche keinen Erfolg haben. Beobachtet wurden vom IAB Jugendliche, die Anfang 2005 Arbeitslosengeld-II-Bezieher waren. Bis Ende 2006 waren laut Institut rund 40 Prozent von ihnen durchgehend auf diese Hilfe angewiesen.
Von den 60 Prozent, die sich aus Hartz IV lösten, haben aber rund die Hälfte in den zwei Jahren vorübergehend wieder Arbeitslosengeld II in Anspruch nehmen müssen. Der langfristige Ausstieg gelang damit nur einem Drittel.
Ob sich die Situation für die jungen Arbeitslosen in 2007 und 2008 verbessert hat, geht aus der Studie nicht hervor. In diesen beiden Jahren hat sich vor allem die Lage auf dem Ausbildungsmarkt wesentlich verbessert. Nach Angaben des IAB waren aber dennoch im Jahresdurchschnitt 2007 rund 1,35 Millionen junge Menschen auf Hartz IV angewiesen.
Schulabschluss fehlt
Ursache für die Bedürftigkeit ist oft, dass die jungen Hilfeempfänger noch die Schule besuchen, in der Ausbildung sind oder aber bereits eine Familie gegründet haben. Dann handelt es sich aber häufig um eine temporäre Bedürftigkeit.
Ein größeres Risiko besteht für diejenigen, die langfristig ohne Schulabschluss oder Berufsabschluss bleiben. Im Januar 2005 waren die Hälfte der 18- bis 25-jährigen Hilfebezieher arbeitslos oder in einer Maßnahme. Von dieser Gruppe hatten zwei Drittel keinen Ausbildungsabschluss - wie aber auch viele andere Jugendliche, die nicht Hartz IV beziehen. Den Hilfebeziehern gelang es aber häufig selbst später nicht, einen Abschluss zu machen.
Armutserfahrungen in dieser Lebensphase gelten als besonders gravierend. Die Forscher sehen für zwei Drittel der Jugendlichen in Hartz IV das Risiko, dass sie sich nicht mehr aus der Bedürftigkeit lösen, weil sie länger als ein Jahr ohne Unterbrechung Hartz IV erhielten.
  • Aus der FTD vom 27.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Afghanistan: Die Taliban profitieren von der Korruption

    Seit Jahren müht sich die internationale Streitmacht, demokratische Werte in Afghanistan zu etablieren. Doch weil der Staat noch immer heillos korrupt ist, sind auch die Taliban so mächtig wie zu Beginn der Mission. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

FTD-Wirtschaftswunder
Wirtschaftswunder - Alles über Konjunktur und Economics
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote