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Merken   Drucken   28.09.2011, 08:00 Schriftgröße: AAA

Warnung vor Chimären: Ethikrat will keine Mensch-Tier-Wesen

Das Gremium fordert ein Verbot der Übertragung tierischer Embryonen auf den Menschen. Die "biologische Artgrenze zwischen Mensch und Tier" dürfe nicht infrage gestellt werden. von Lukas Schürmann,, Hamburg und Jessica Boesler, Berlin
Der Deutsche Ethikrat kritisiert gesetzliche Grauzonen bei Experimenten mit Mischwesen aus Mensch und Tier. Angesichts der rasanten Entwicklung der Forschung bis hin zur bereits möglichen Erzeugung dieser Chimären genannten Kreuzungen warnte das Gremium am Dienstag davor, die "biologische Artgrenze zwischen Mensch und Tier" infrage zu stellen.
Stärkerer Embryonenschutz
In einer in Berlin veröffentlichten Stellungnahme plädierte der Ethikrat dafür, im Embryonenschutzgesetz schärfere Grenzen zu ziehen. Das bereits bestehende Verbot, menschliche Embryonen auf ein Tier zu übertragen oder Organismen mit Erbinformationen verschiedener Individuen zu erzeugen, solle erweitert werden: Der Ethikrat forderte ein Verbot der Übertragung tierischer Embryonen auf den Menschen. Bislang ist der Umgang mit sogenannten Mensch-Tier-Zybriden, tierischen Eizellen mit menschlichem Kern, gesetzlich nicht geregelt.
Der Rat sprach sich zudem für ein Verbot der Schaffung von "transgenen Mensch-Tier-Mischwesen mit Menschenaffen" aus. Auch "die Einfügung hirnspezifischer menschlicher Zellen in das Gehirn von Menschenaffen" solle unterbunden werden. Der Rat ist ein je zur Hälfte auf Vorschlag des Parlaments und der Bundesregierung zusammengesetztes Gremium mit 26 Experten, darunter Mediziner und Philosophen.
Der Rat habe kein "Horrorszenario" aufmachen wollen, sagte der Rechtswissenschaftler Jochen Taupitz. Allerdings gehe es um "eine klare Grenzziehung, damit es erst gar nicht zur Entstehung von Mensch-Tier-Mischwesen in der Forschung kommt", sagte der Sprecher der Arbeitsgruppe des Ethikrats, Wolf-Michael Catenhusen.
Anlass der Empfehlungen sind unter anderem Versuche, aus menschlichen Stammzellen gewonnene Nerven-Vorläuferzellen in das Gehirn von Versuchstieren - auch Menschenaffen oder Schimpansen - zu übertragen. Damit sollten Krankheiten wie Alzheimer-Demenz und Morbus Parkinson erforscht werden können.
Kreuzung aus Mensch und Kuh
Viele Länder behandeln diese heiklen ethischen Fragen liberaler als Deutschland. US-Forscher haben bereits 1998 nach eigenen Angaben Erbgut menschlicher Hautzellen mit Eizellen von Kühen verschmolzen und aus dem entstandenen Embryo später Stammzellen gewonnen. Ähnliche Experimente wurden aus China, Großbritannien und Südkorea gemeldet. Ein Grund für die Experimente ist der Mangel an menschlichen Eizellen für die Stammzellenforschung. Hierzulande ist das Verfahren verboten.
  • FTD.de, 28.09.2011
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