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  FTD-Serie: Was ist heute Konservativ?

Die Konservativen sind in einer Identitätskrise: Ob Wehrpflicht oder Hauptschule - vieles, was zu ihrem programmatischen Kern gehört, wurde über Bord geworfen. Wofür steht der Begriff "konservativ" heute? Die FTD will diese Debatte voranbringen - mit einer losen Folge von Gastbeiträgen.

Merken   Drucken   04.08.2011, 11:58 Schriftgröße: AAA

Was ist heute Konservativ? (02): Der Begriff für die Berechenbaren und Bodenständigen

Kommentar Es ist richtig, dass die CDU sich nicht mehr in erster Linie als konservativ bezeichnet. Das Wort wird inzwischen viel zu willkürlich verwendet. Das heißt aber nicht, dass die Partei ihre bisherigen Werte aufgeben sollte - im Gegenteil. von Christian von Boetticher
Christian von Boetticher ist CDU-Fraktionschef im Landtag von Schleswig-Holstein
Konservativ als politische Kategorie ist etwas gänzlich anderes, als es durch den allgemeinen Sprachgebrauch ausgedrückt wird.
Zuallererst ist es - historisch betrachtet - die Zuordnung zu einer politischen Denkrichtung, Gruppe oder Partei. Konservativ in diesem Sinne beinhaltete traditionell einen staatstragenden, die öffentliche Ordnung erhaltenden Aspekt und ging einher mit der Ablehnung revolutionären Gedankenguts.
Die inhaltliche Bestimmung einer Politik über den Begriff des Konservativismus ist heute kaum noch möglich, da der Sinngehalt des Begriffs überholt und zu schwammig geworden ist.
Christian von Boetticher   Christian von Boetticher
Folglich haben die Begriffe Konservativismus und konservativ auch im Parteiprogramm der CDU als Programmpunkte keinen Platz mehr. Lediglich in beiläufigem, redaktionellem Zusammenhang findet sich das Wort "konservativ" an drei Stellen, in der Präambel und in den Absätzen 3 und 4.
Allerdings besteht wohl kein Zweifel daran, dass der Begriff konservativ auch heute noch am ehesten der CDU zugeordnet wird. Begriffe verschwinden nicht aus dem Sprachgebrauch, nur weil sie überholt oder inhaltsleer geworden sind. Schwarz, konservativ und restaurativ entstammen der politischen Mottenkiste und dienen heute allenfalls dem politischen Gegner als Instrumente der Diffamierung denn als politische Inhaltsbestimmung.
Wir wären Narren!
Der Begriff "konservativ" entwickelte sich bereits im Nachgang zur Französischen Revolution von 1789. Hier war es der Engländer Edmund Burke, der in seinen zum Teil polemischen Anmerkungen mit dem Geist der Revolution abrechnete und den Gedanken des Konservativismus prägte.
In Deutschland war es neben Männern wie Gentz, Ludwig und Leopold von Gerlach besonders Julius Stahl, der Mitte des 19. Jahrhunderts durch seine Staatslehre den Konservativismus populär machte. Heute kann sich das Konservative nur im Umgang mit dem Gegenwärtigen manifestieren.
Wir wären Narren, wollten wir unsere Lebensgrundlage und das Fundament unserer Freiheit zerschlagen. Wir wären genau solche Narren, würden wir uns den Herausforderungen der Zukunft verschließen. Die Weiterentwicklung unserer demokratischen Strukturen, der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung hat mit Augenmaß und verantwortungsbewusst zu erfolgen. Für revolutionäre Fantastereien und umstürzlerische Phrasen gibt es in Deutschland keinen Grund und keine Legitimation.

Teil 2: Es geht nicht um Ismen

  • Aus der FTD vom 04.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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