Christian von Boetticher
Folglich haben die Begriffe Konservativismus und konservativ auch im Parteiprogramm der CDU als Programmpunkte keinen Platz mehr. Lediglich in beiläufigem, redaktionellem Zusammenhang findet sich das Wort "konservativ" an drei Stellen, in der Präambel und in den Absätzen 3 und 4.
Allerdings besteht wohl kein Zweifel daran, dass der Begriff konservativ auch heute noch am ehesten der CDU zugeordnet wird. Begriffe verschwinden nicht aus dem Sprachgebrauch, nur weil sie überholt oder inhaltsleer geworden sind. Schwarz, konservativ und restaurativ entstammen der politischen Mottenkiste und dienen heute allenfalls dem politischen Gegner als Instrumente der Diffamierung denn als politische Inhaltsbestimmung.
Wir wären Narren!
Der Begriff "konservativ" entwickelte sich bereits im Nachgang zur Französischen Revolution von 1789. Hier war es der Engländer Edmund Burke, der in seinen zum Teil polemischen Anmerkungen mit dem Geist der Revolution abrechnete und den Gedanken des Konservativismus prägte.
In Deutschland war es neben Männern wie Gentz, Ludwig und Leopold von Gerlach besonders Julius Stahl, der Mitte des 19. Jahrhunderts durch seine Staatslehre den Konservativismus populär machte. Heute kann sich das Konservative nur im Umgang mit dem Gegenwärtigen manifestieren.
Wir wären Narren, wollten wir unsere Lebensgrundlage und das Fundament unserer Freiheit zerschlagen. Wir wären genau solche Narren, würden wir uns den Herausforderungen der Zukunft verschließen. Die Weiterentwicklung unserer demokratischen Strukturen, der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung hat mit Augenmaß und verantwortungsbewusst zu erfolgen. Für revolutionäre Fantastereien und umstürzlerische Phrasen gibt es in Deutschland keinen Grund und keine Legitimation.