FTD.de » Politik » Deutschland » Dr. a.D. Guttenberg kopierte auch beim Bundestagsdienst

Merken   Drucken   19.02.2011, 14:22 Schriftgröße: AAA

Weitere Plagiatsvorwürfe: Dr. a.D. Guttenberg kopierte auch beim Bundestagsdienst

Während der Verteidigungsminister Rücktrittsspekulationen als "Unsinn" beiseite schiebt, tun sich immer mehr Abgründe auf. Er soll den wissenschaftlichen Dienst des Bundestags für seine Arbeit eingespannt haben. Allen Vorwürfen zum Trotz will eine Mehrheit der Bundesbürger Guttenberg weiter im Amt wissen.
Trotz der Plagiats-Vorwürfe gegen ihn denkt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht an Rücktritt. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" beantwortete der CSU-Politiker die Frage, ob er seit Dienstag einmal an Rücktritt gedacht habe, knapp mit "Unsinn!". Es liege nicht bei ihm, zu beurteilen, was der Vorgang für seine Glaubwürdigkeit und Autorität bedeute. "Aber beidem gerecht zu werden, bleibt mein Anspruch", sagte der Minister laut Vorabbericht vom Samstag.
Auch zwei Drittel der Bundesbürger sind einer Umfrage zufolge Ansicht, dass Guttenberg im Amt bleiben soll. In einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin "Focus" sprachen sich lediglich 27 Prozent der 1000 Befragten für einen Rücktritt aus. Fünf Prozent machten keine Angaben. Die Erhebung fand allerdings noch vor Bekanntwerden der jüngsten Vorwürfe am Mittwoch und Donnerstag statt. Am Freitag hatte Guttenberg angekündigt, seinen Doktortitel vorerst nicht mehr zu verwenden, bis alle offenen Fragen geklärt seien.
Verteidigungsminister zu Guttenberg nennt Spekulationen über einen ...   Verteidigungsminister zu Guttenberg nennt Spekulationen über einen Rücktritt "Unsinn"
Nach Informationen des "Spiegel" hat Guttenberg für seine unter Plagiatsverdacht stehende Doktorarbeit auch die Arbeit der wissenschaftlichen Dienste des Bundestages in Anspruch genommen. Einem Vorabbericht vom Samstag zufolge verfasste der Ministerialrat Ulrich Tammler für den damaligen CSU-Abgeordneten Guttenberg die Ausarbeitung "Die Frage nach einem Gottesbezug in der US-Verfassung und die Rechtsprechung des Supreme Court zur Trennung von Staat und Religion".
Copygate Das sind Guttenbergs Plagiatsopfer
Tammler habe seine Arbeit an dem zehnseitigen Papier am 13. Mai 2004 beendet und es unter der Registernummer WF III - 100/04 an Guttenbergs Abgeordnetenbüro weitergeleitet. Guttenberg habe dann die Arbeit in seine Dissertation nahezu vollständig eingefügt - mit nur geringfügigen Änderungen. Tammler werde namentlich in keiner von Guttenbergs Quellenangaben zitiert. Lediglich die Arbeit der wissenschaftlichen Dienste erwähne Guttenberg auf Seite 391. "Vergleiche auch eine im Auftrag des Verfassers entwickelte Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages vom 13. Mai 2004", sei unter der Fußnote 83 vermerkt.
Mitte der Woche hatte bereits das ARD-Hauptstadtstudio berichtet, Guttenberg habe auch den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages für seine Dissertation genutzt. Demnach soll Guttenberg als einfacher CSU-Abgeordneter die Abteilung des Parlamentes wie durchaus üblich für seine allgemeinpolitische Tätigkeit als Abgeordneter mit Fachfragen beauftragt haben. Die Expertisen, die er vom wissenschaftlichen Dienst bekam, seien aber später teilweise in seine Dissertation eingeflossen. Die Verwendung dieser Informationen habe Guttenberg jedoch stets kenntlich gemacht
Der Wissenschaftliche Dienst recherchiert für Abgeordnete in Ausübung ihres Mandats. "Der Deutsche Bundestag behält sich sämtliche Rechte an Arbeiten des Wissenschaftlichen Dienstes vor. Veröffentlichung und Verbreitung bedürfen grundsätzlich der Zustimmung der Abteilungsleitung", heißt es in den Nutzungsrichtlinien.
  • FTD.de, 19.02.2011
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