Als Folge seiner Vernehmung im HRE-Untersuchungsausschuss will die Linke HRE-Chef Axel Wieandt von der Finanzaufsicht BaFin auf seine Eignung untersuchen lassen. Die BaFin sei gebeten "nach eigenem Ermessen auf Grundlage des einschlägigen Vernehmungsprotokolls" Wieandts Kompetenz zu überprüfen, heißt es in einem Brief des finanzpolitischen Sprechers der Linken, Axel Troost, der der FTD vorliegt.
Wieandt war Ende Juli vom HRE-Untersuchungsausschuss des Bundestages angehört worden. Dabei hatte der 42-Jährige einen unsicheren Eindruck gemacht. So bat er häufig um die Wiederholung von Fragen, ließ Sätze unvollendet und beriet sich auffällig oft mit seinem Rechtsbeistand. Die mangelnde Souveränität fiel auch im Vergleich zu Deutsche Bank Chef Josef Ackermann aus, der im Anschluss an Wieandt befragt wurde. Ackermann hatte seinen damaligen Strategiechef für das neue Amt ins Spiel gebracht.
"Wenn Herr Wieandt wirklich so wenig über die HRE weiß, wie er dem Untersuchungsausschuss weisgemacht hat, dann ist er zur Führung dieser Bank nicht geeignet", sagte Troost der FTD. Für eine Prüfung spreche neben Wieandts geringer Führungserfahrung die "nach eigener Aussage umfangreiche Unkenntnis zum Treasury und Liquidiätsmanagement", sein geringes Wissen über Refinanzierung und Abschreibungen der HRE sowie ihrer Aktienkursentwicklung, heißt es in dem Brief.
Wieandt übernahm die HRE-Führung am 15. Oktober 2008 - zwei Wochen nachdem Vertreter von Banken, Finanzaufsicht und Politik die Bank mit einem Hilfspaket von zunächst 35 Mrd. Euro retteten. Inzwischen wird der Immobilienfinanzierer mit rund 100 Mrd. Euro gestützt. In der kommenden Woche sollen Finanzminister Peer Steinbrück und sein Staatssekretär Jörg Asmussen (beide SPD) vor dem Unterschungsausschuss zu ihrer Rolle bei der Rettungsaktion befragt werden.