Seine Karriere ist typisch für eine ganze Generation junger FDP-Politiker, die alle in den 90er-Jahren in die Partei eintraten. Sie kamen aus Trotz. Viele hielten die Partei in dieser Zeit für einen Dinosaurier - vom Aussterben bedroht. "Die FDP war eine personell und politisch erschöpfte Funktionspartei, die ihre Eigenständigkeit der langjährigen Regierungskoalition mit der Union geopfert hatte", schrieb Rösler Anfang Januar in einem Gastbeitrag für die "FAZ". Co-Autoren waren die anderen beiden Nachwuchshoffnungen, von denen in diesen Tagen häufig die Rede ist: Generalsekretär Christian Lindner und Röslers Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Daniel Bahr. Es war ihr erster gemeinsamer Auftritt und die Demonstration eines Machtanspruchs.
Doch bleibt unklar, wofür das Führungstrio eigentlich steht. Die FDP müsse eine Partei für Menschen sein, die etwas aus ihrem Leben machen wollen und die Verantwortung übernehmen, schrieben die drei. Man wolle nachhaltige und ökologische Politik machen, ohne aber zu sehr auf den Staat zu vertrauen. Die Initiative jedes Einzelnen sei wichtig, aber im Wettbewerb müsse es bitte schön fair und sozial sensibel zugehen.
Das Programm der Neuen klingt nicht gewagt, eher ein bisschen nach Wellness. Was unter den freundlichen Formulierungen konkret zu verstehen ist, konnte man nur bei Rösler bisher im Regierungshandeln beobachten: Nach wenigen Wochen als Gesundheitsminister brach der promovierte Mediziner Anfang 2010 mit den alten FDP-Grundsätzen einer wirtschaftsfreundlichen Gesundheitspolitik und brachte ein herbes Sparpaket für die Pharmabranche auf den Weg. Auch die Liebe der FDP zur privaten Krankenversicherung ist unter ihm abgekühlt, das Projekt einer privaten Pflegezusatzversicherung ist politisch tot.