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Merken   Drucken   18.09.2005, 21:27 Schriftgröße: AAA

Wie die Wirtschaft das Wahlergebnis beurteilt  

Volkswirte haben überwiegend gelassen darauf reagiert, dass Schwarz-Gelb die angestrebte Mehrheit bei der Bundestagswahl verfehlt hat. Verglichen mit der bisherigen Konstellation sei etwa eine große Koalition aber eine Verbesserung. von Sebastian Dullien und Thomas Fricke, Berlin
"Es wird zwar jetzt schwierige Verhandlungen um die Regierungsbildung geben, das ist eher negativ", sagte Michael Heise, Chefökonom der Allianz Gruppe. Der konjunkturelle Stimmungsanstieg der vergangenen Wochen werde durch den Wahlausgang aber nicht unterbrochen. Für 2006 rechnet Heise nach wie vor mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.
Ähnlich äußerten sich Michael Hüther vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sowie Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und Elga Bartsch von der Investmentbank Morgan Stanley. Skeptischer reagierten die beiden Chefvolkswirte der Deutschen Bank und der HypoVereinsbank, Norbert Walter und Jörg Krämer.
Befürchtungen relativiert
Die Reaktionen stehen im Kontrast zu dem, was Unternehmer nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse sagten. Sie relativieren die Befürchtungen, wie sie im Wahlkampf geäußert wurden, wonach eine große Koalition sehr negative Folgen für die Wirtschaft haben würde. Ähnlich urteilten die Experten über eine mögliche Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP.
"Eine große Koalition ist keine Katastrophe", sagte Hüther. "Richtig problematisch wäre es nur gewesen, wenn die Linkspartei an einer Regierung beteiligt wäre", so Bartsch. "Weder eine große Koalition noch eine Ampelkoalition würde Vorschläge wie die Reichensteuer umsetzen."
"Ein Bündnis aus Union und SPD dürfte an die Ergebnisse des Jobgipfels von Anfang des Jahres anknüpfen", sagte Hüther. Vor allem die von Kanzler Gerhard Schröder vorgeschlagene Senkung der Körperschaftsteuer auf 19 Prozent und die Lockerung bei den Regeln zur befristeten Beschäftigung hätten gute Chancen auf eine Umsetzung, vermutete auch Allianz-Ökonom Heise.

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