Merken
Drucken
10.01.2010, 21:23
Schriftgröße: AAA
Winterwetter:
Schneechaos lähmt Deutschland
Mit heftigen Schneefällen und Windstürmen hat das Tief "Daisy" vor allem im Norden für chaotische Verhältnisse gesorgt: Dörfer und Inseln waren von der Außenwelt abgeschlossen, Helfer kämpften gegen Deichbrüche, allein am Flughafen Frankfurt waren 60.000 Passagiere betroffen. Jetzt droht eine Kältewelle.
Höhere Umsätze dank Winter
Jetzt gibt's Flocken für die Firmen
Tausende Verkehrsunfälle, Hunderte Verletzte, Sachschäden in Millionenhöhe - das ist die Bilanz des Tiefs "Daisy" am Wochenende in Europa. In Deutschland war der Nordosten am schwersten betroffen. Obwohl Streudienste, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste im pausenlosen Einsatz waren, lösten heftige Schneestürme dort am Sonntag das befürchtete Winterchaos aus. "Daisy" schnitt Dutzende Dörfer an der Küste und auf den Ostseeinseln von der Außenwelt ab. Hunderte Menschen mussten frierend in eingeschneiten Autos oder Zügen ausharren.
Das Sturmtief beschert allen Schülern in Mecklenburg-Vorpommern an diesem Montag einen schulfreien Tag. Seit dem Beginn des heftigen Wintereinbruchs stieg die Zahl der Kälte-Toten europaweit auf mehr als 100. Allein in Großbritannien, das unter dem härtesten Winter seit mehr als drei Jahrzehnten stöhnt, kletterte die Opferbilanz auf mindestens 26 Tote.
Spaziergänger gehen im Schneetreiben in Hamburg an der Elbe entlang
Auf "Daisy" mit seinen teils stürmischen Schneefällen wird Anfang der Woche eine neue Kältewelle folgen. Mit neuen Flocken oder starkem Wind wie am Wochenende sei aber nicht mehr zu rechnen, da "Daisy" in Richtung Mittelmeer abziehe, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit. Wegen neuer eisiger Temperaturen werde die fast überall geschlossene Schneedecke aber nicht auftauen. Der Grund sei Hoch "Bob" über Skandinavien. Es sorge für kalte, trockene Luft aus Osten und erhöhe damit die Chance auf klare Nächte - was die Temperaturen in den Keller fallen lässt.
Allenfalls in Küstennähe oder im Rheinland oder am Oberrhein kann es laut Vorhersage der Wetterexperten Plus-Temperaturen geben. In den Mittelgebirgstälern und Mulden sei hingegen mit bis zu minus 15 Grad zu rechnen. Der abflauende Wind sorge vor allem in Norden für eine Entspannung der Lage, da es nur noch vereinzelt zu Schneeverwehungen komme.
Am Sonntag hielten Schneestürme vor allem Norddeutschland im Griff. Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern richtete einen interministerieller Führungsstab ein, der ressortübergreifend Hilfe gegen das Schneechaos im Straßen- und Bahnverkehr organisieren sollte. Oberstes Ziel sei es, dass keine Menschen zu Schaden kommen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag.
Am schlimmsten betroffen war der Nordosten, wo mehr als 320 Menschen die Nacht in eingeschneiten Autos oder Zügen verbringen mussten. Mehrere Menschen starben auf
eisglatten Straßen. Der Landkreis Ostvorpommern rief Katastrophenalarm aus. Mecklenburg-Vorpommern und Teile Schleswig-Holsteins ordneten für diesen Montag vorsichtshalber "schulfrei" an.
Ernsthafte Probleme bereiteten vor allem in Schleswig-Holstein auch unterspülte Deiche und die über die Ufer getretene Ostsee samt ihrer Zuflüsse. Aus der Lübecker Altstadt sowie Flensburg wurden Überschwemmungen gemeldet. In ganz Mecklenburg-Vorpommern wurde für Montag der Schulbetrieb abgesagt, ebenso in den schleswig-holsteinischen Landkreisen Rendsburg-Eckernförde, Bad Segeberg, Plön und Ostholstein.
Auch in anderen Bundesländern gab es massive Behinderungen - die Polizei registrierte landesweit mehr als 2000 Unfälle. Am schlimmsten hatte es die Menschen auf der Ostsee-Insel Fehmarn getroffen, wo der Sturm über das flache Land wütete und sämtliche Dörfer vom Schnee
einschloss. Bei Dahme in Schleswig-Holstein traten erste Risse im Deich auf. Im nördlichsten Bundesland weckte das Chaos Erinnerungen an eine Schneekatastrophe: "Ich halte mich für einen besonnenen Menschen, aber das hier erinnert mich sehr an die Schneekatastrophe 1978/1979", sagte Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt.
Teil 2: Tausende Fluggäste müssen warten
-
dpa, 10.01.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden