Nicht nur Christian Wulff erregt die Gemüter. Auch an der ZDF-Interviewerin arbeitet sich die Netzgemeinde ab - zig Wahlabende auf Sendung haben ihr nicht dieselbe Berühmtheit eingebracht.
von Jens TartlerBerlin
Für einen nicht unerheblichen Teil der Netzgemeinde war nicht Christian Wulff die wichtigste Person bei dessen Selbstbegnadigungsinterview, sondern Bettina Schausten. Mit einem kurzen Wortwechsel hat die Berliner ZDF-Studioleiterin eine Berühmtheit erlangt, die ihr noch so viele Wahlabende auf Sendung nicht eingebracht hätten.
Als es um die Gratisurlaube des Bundespräsidenten bei "engen Freunden" ging, schlug Schausten Wulff vor, seinen Gastgebern stattdessen 150 Euro pro Nacht zu zahlen. Der fragte zurück: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja."
Sofort wurde im Netz das neue Verb "schausten" geschaffen: "bei Freunden gegen Bezahlung übernachten". Das Verb "wulffen - bei Leuten auf der Mailbox herumpöbeln" war schon vorher geboren worden.
Über Schaustens merkantilen Umgang mit ihren Freunden wird seit dem Interview in ARD und ZDF aufgeregt getwittert und gefacebookt. Ein Werner Schmidt zwitscherte: "Muss Christian bei beiden Bettinas für das Übernachten bezahlen?" - angesichts der "Fantasien" im Internet über Wulffs Ehefrau, die der Präsident in dem Interview beklagte, eine unbotmäßige Anspielung.
Andere versuchten sofort, Schaustens Idee für ihr eigenes Geschäft zu nutzen. So "begrüßt" 9flats, nach eigener Aussage "Europas führende Plattform für Privatunterkünfte", den "Vorstoß von Bettina Schausten, auch für Übernachtungen bei Freunden Geld zu zahlen". 9flats gibt Schausten und ihren Freunden wichtige Hinweise, um das Geschäft legal abzuwickeln: Gewerbe anmelden, Einkünfte versteuern, ordentliche Rechnung schreiben, Genehmigung vom Vermieter einholen. 9flats freue sich darauf, Schaustens Wohnung weltweit vermitteln zu dürfen. Konkurrent Airbnb.de wirbt mit einer Ermäßigung von 50 Euro, wenn der Kunde den Code "FRAUSCHAUSTEN" eingibt.
Schausten selbst nimmt den Rummel gelassen: "Die Welle, die da heute durch das Internet ging, fand ich amüsant", sagte sie. "Ich darf Ihnen sagen: Nein, ich nehme kein Übernachtungsgeld von Freunden, die auf meiner Gästematratze übernachten. Darum ging es in dem Interview mit Wulff aber auch nicht."
Vielmehr sei es im Gespräch um die Frage gegangen, ob man als Ministerpräsident wirklich kostenlosen Urlaub bei Millionärsfreunden annehmen dürfe. Der Bundespräsident habe versucht, das ganze Thema auf die Ebene von normalen Besuchen bei Freunden herunterzubrechen. Sie habe sich dabei den Einwand erlaubt, dass man bei Urlaubsaufenthalten selbstverständlich auch Freunden anbieten könne, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Das habe sie in der Vergangenheit auch selbst schon getan.
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