Wulff und Gauck, sie boxen in unterschiedlichen Gewichtsklassen, das war schon 2010 bei der Wahl zum Bundespräsidenten klar, bei der Gauck erst im dritten Wahlgang unterlag. Jetzt, wo sich der eine von einer Erklärung zur nächsten rettet, während der andere von einer Sympathiewelle durchs Land getragen wird, ist der Unterschied mit Händen greifbar.
Müsste Joachim Gauck nicht endlich etwas dazu sagen? Zur Würde des Amtes, die vom Amtsinhaber beschädigt wird oder auch von Teilen der Presse, die versuchen, den Bundespräsidenten vor sich herzutreiben?
Nein, muss er nicht. Gauck schweigt eisern, und man hat an diesem Abend nicht den Eindruck, dass die Zuhörer einen Kommentar von ihm erwarten. Eher wirken sie dankbar darüber, dass da einer über die Freiheit spricht, die er 1989 mit erkämpft hat, wie andere über ihre erste Liebe, statt sich in die Niederungen von Häuslekrediten, geliehenen Abendroben und verunglückten Kriegserklärungen zu begeben. Einige murmeln denn auch "Gott sei Dank", als der Moderator des Abends gleich zu Beginn ankündigt, dass von den "aufregenden Zeiten", in denen wir derzeit leben, heute "natürlich nicht die Rede sein wird".
Das Aufschreiben seiner Lebensgeschichte habe auch dazu beigetragen, dass er nicht abgehoben sei, sagt Gauck später. Auch nicht, "als im März 2010 dieser seltsame Anruf gekommen ist". Gemeint ist Sigmar Gabriels Anruf, der ihn zum Präsidentschaftskandidaten machte. Das ist die einzige Anspielung, die sich Gauck an diesem Abend zur Präsidenten-Frage gestattet.