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Merken   Drucken   15.04.2011, 12:02 Schriftgröße: AAA

Zockerparadies: Die Glücksspiel-Revolution am Watt

Schleswig-Holstein meutert gegen den Glücksspielkompromiss der Länder. Die privaten Anbieter hoffen auf ein Zockerparadies im Norden - und setzen auf eine Kettenreaktion.
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Schleswig-Holstein meutert gegen den Glücksspielkompromiss der Länder. Die privaten Anbieter hoffen auf ein Zockerparadies im Norden - und setzen auf eine Kettenreaktion. von Stephan Radomsky, Altenholz
Malerisch liegt das Herrenhaus von Altenholz hinter einem kleinen Teich. Nur ein paar knatternde Fahnen verweisen darauf, dass sich hinter dem säulenbewehrten Eingang die deutsche und europäische Glücksspielbranche trifft. Und doch kämpft sie von hier, aus der Schleswiger Provinz, gemeinsam gegen die Ministerpräsidenten von 15 Bundesländern.
Internetsportwettenanbieter wie Bwin, Betfair und Tipico verbünden sich derzeit mit privaten Lotto-Vermittlern und Onlinekasinos. Gastgeber in Altenholz ist Jaxx, ein Kieler Unternehmen, das in all diesen Geschäften aktiv ist. Obwohl sie Konkurrenten sind, kämpfen die Firmen gemeinsam gegen den Kompromiss zum Glücksspielstaatsvertrag, auf den sich die Länder in der vergangenen Woche geeinigt haben - alle Länder bis auf eines: Schleswig-Holstein.
Damit ist das Land für die Privaten der Angriffspunkt, von dem aus sie den rund 10 Mrd. Euro schweren deutschen Glücksspielmarkt knacken wollen. Kiel hat ein eigenes Gesetz auf den Weg gebracht, das liberalere Regeln und niedrigere Abgaben vorsieht als der Kompromiss der Restländer. Der Text liegt schon zur Prüfung bei der EU-Kommission. Am Ende könnte das Glücksspielmonopol fallen und das Land zwischen den Meeren zum Zentrum der deutschen Zocker werden - zumindest virtuell.
In Altenholz wollen die Privaten das Land mit der Aussicht auf satte Steuereinnahmen und Arbeitsplätze zum Durchhalten motivieren. "Wenn Schleswig-Holstein seinen Weg geht, dann sind wir sicher die Ersten, die eine Lizenz beantragen und sich hier im Raum niederlassen", sagt etwa Sven Stiel vom Onlinekasino Pokerstars. Auch andere Anbieter winken mit Filialen. "Wir wollen in regulierte Märkte investieren - und Schleswig-Holstein wäre dann reguliert. Hier Kapazitäten aufzubauen würde dann auch Sinn machen", sagt Neale Deeley, vom britischen Wettanbieter William Hill. Auch Jaxx-Vorstandssprecher Mathias Dahms will Jobs aus dem Ausland zurückholen.
Konkret sieht der Kieler Gesetzentwurf vor, den Rohertrag zu besteuern - also den Umsatz, der nach dem Auszahlen der Spielgewinne bleibt. Außerdem soll die Zahl der Lizenzen nicht begrenzt werden. Genau diese Punkte stören die privaten Anbieter am Kompromiss der 15 anderen Länder: Sie wollen nur sieben bundesweite Lizenzen für Sportwettenanbieter vergeben und 16,7 Prozent der Bruttospieleinsätze haben. Onlinekasinos blieben weiterhin verboten.

Teil 2: Warum die Privaten hoffen

  • FTD.de, 15.04.2011
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