Malerisch liegt das Herrenhaus von Altenholz hinter einem kleinen Teich. Nur ein paar knatternde Fahnen verweisen darauf, dass sich hinter dem säulenbewehrten Eingang die deutsche und europäische Glücksspielbranche trifft. Und doch kämpft sie von hier, aus der Schleswiger Provinz, gemeinsam gegen die Ministerpräsidenten von 15 Bundesländern.
Internetsportwettenanbieter wie Bwin, Betfair und Tipico verbünden sich derzeit mit privaten Lotto-Vermittlern und Onlinekasinos. Gastgeber in Altenholz ist Jaxx, ein Kieler Unternehmen, das in all diesen Geschäften aktiv ist. Obwohl sie Konkurrenten sind, kämpfen die Firmen gemeinsam gegen den Kompromiss zum Glücksspielstaatsvertrag, auf den sich die Länder in der vergangenen Woche geeinigt haben - alle Länder bis auf eines: Schleswig-Holstein.
Damit ist das Land für die Privaten der Angriffspunkt, von dem aus sie den rund 10 Mrd. Euro schweren deutschen Glücksspielmarkt knacken wollen. Kiel hat ein eigenes Gesetz auf den Weg gebracht, das liberalere Regeln und niedrigere Abgaben vorsieht als der Kompromiss der Restländer. Der Text liegt schon zur Prüfung bei der EU-Kommission. Am Ende könnte das Glücksspielmonopol fallen und das Land zwischen den Meeren zum Zentrum der deutschen Zocker werden - zumindest virtuell.