Hinter vorgehaltener Hand ist zwar in allen drei Koalitionsparteien harsche Kritik an den Hilfsplänen der Euro-Staats- und -Regierungschefs zu hören. Allerdings ist ebenso klar: Bringen Union und FDP im September keine eigene Mehrheit für die Pläne zustande, stehen Merkel und ihre Koalition vor dem Aus.
Unter Hochdruck versuchen die Finanz- und Wirtschaftsexperten von CDU, CSU und FDP deshalb, ihre Parteifreunde auf Koalitionsdisziplin einzuschwören. Der stellvertretende Unionsfraktionschef Michael Meister und sein FDP-Kollege Volker Wissing zeigten sich zuversichtlich, dass die Reihen noch rechtzeitig geschlossen würden. An anderer Stelle in der Fraktionsspitze hieß es jedoch, die Überzeugungsarbeiten gestalteten sich äußerst schwierig - zumal viele Abgeordnete zu Hause in ihren Wahlkreisen erhebliche Widerstände gegen Merkels Euro-Kurs zu spüren bekommen hätten.
Die Kritik entzündet sich an allen vier Vorhaben, die zur Abstimmung stehen: die Errichtung des künftigen Rettungsmechanismus ESM, der Umbau des bisherigen Rettungsfonds EFSF, das zweite milliardenschwere Rettungspaket für Griechenland und das Gesetz über die Beteiligung des Bundestags bei neuen Euro-Notprogrammen. Die FTD präsentiert drei Szenarien für Merkels heiklen Herbst durch: