Die FDP existiert nicht mehr. Zumindest in den Umfragen der Meinungsforscher. "Parteianhänger der FDP wegen zu geringer Fallzahl nicht ausgewiesen", steht unter den Schaubildern der Institute. Will heißen: Die Forscher finden für ihre Umfragen nicht mehr ausreichend FDP-Anhänger, um zu einzelnen Themen ein verlässliches Meinungsbild abzubilden.
Regelmäßig klopfen Meinungsforscher die politischen Ansichten der Bevölkerung ab. Rund 1000 Personen werden dazu jeweils befragt. "Davon antworten etwa 700", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Wenn sich davon nur zwei bis drei Prozent zu den Liberalen bekennen, sind das umgerechnet etwa 20 Wähler. Sollen diese Personen dann noch Detailfragen beantworten wie "Stimme voll zu, stimme eher zu, lehne voll ab", sind es zu wenige, um ein statistisch sinnvolles Ergebnis zu liefern. Denn pro Frage gäbe es nur noch eine Handvoll Antworten.
"Um solche Detailfragen zu beantworten, müssten wir mindestens 25 Wähler aufnehmen", sagt Güllner. Besser wären 30 FDP-Anhänger. Doch so viele kommen in den Umfragen derzeit nicht zusammen. Folge: "Wir lassen die Liberalen jetzt weg", sagt Güllner. Es sei rein statistisch einfach nicht mehr machbar. "Die FDP hat mittlerweile das Niveau einer Splitterpartei erreicht", erklärt er. Es tue ihnen ja leid, aber "es macht einfach keinen Sinn".
Richard Hilmer von Infratest Dimap kann sich nicht erinnern, dass jemals eine Bundestagspartei auf diese Weise aus den Umfragen geflogen sei. Auch in seinen Erhebungen taucht die FDP kaum noch auf. Immerhin bemüht man sich, die Liberalen zu verstehen. "Hilfsweise greifen wir bei unseren Umfragen auf ehemalige FDP-Wähler zurück", so Hilmer. Das sei natürlich nicht ganz unproblematisch, schließlich würden sie die Liberalen nicht länger wählen. "Aber so sieht man immerhin, warum sie sich abgewandt haben", sagt Hilmer.
Seit Monaten hangelt sich die FDP von einem Tief zum nächsten. Vorläufiger Tiefstpunkt ist das am vergangenen Freitag veröffentlichte ZDF-Politbarometer. 1262 Wahlberechtigte hat die Forschungsgruppe Wahlen interviewt. Dabei ist die FDP wieder einmal auf ein historisch niedriges Niveau gefallen: Wäre am Sonntag Bundestagswahl gewesen, hätten die Liberalen nur noch drei Prozent der Stimmen erhalten. Nie zuvor in der Geschichte des Politbarometers war die FDP schwächer.
Auch bei der Notenvergabe für Spitzenpolitiker schneidet die Partei von Hans-Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff kaum besser ab. Den vorletzten Platz belegt Außenminister Guido Westerwelle, auf dem letzten Platz findet sich Wirtschaftsminister und Parteichef Philipp Rösler wieder. Einen kleinen Lichtblick gibt es für Westerwelle und Rösler, die ihre hintersten Plätze offenbar abonniert haben: Ihre Werte haben sich seit der vorletzten Erhebung nicht weiter verschlechtert, der Außenminister konnte gar ein kleines Plus verbuchen. Immerhin, an einer Stelle in den Meinungsumfragen tauchen die Liberalen dann doch auf.