Es ist nicht überliefert, ob Barack Obama sich für deutsche Innenpolitik interessiert, wahrscheinlich hat er andere Sorgen in diesen Monaten. Aber bei seinem Berlin-Besuch am Donnerstag dürfte ihm aufgefallen sein, dass er es zwar mit zwei Mitgliedern derselben Bundesregierung zu tun hat, aber gleichzeitig auch mit zwei Konkurrenten um das Amt des Bundeskanzlers. Angela Merkel (CDU) gegen Frank-Walter Steinmeier (SPD): Ohne es zu wollen ist Obama mit seinem Besuch auch zu einem innenpolitischen Faktor geworden.
Für Merkel ist das Gespräch mit Obama der letzte Termin vor dem Urlaub. Sie hat alles dafür getan, diesen Besuch kleinzureden, so zu tun, als handle es sich um "business as usual". "Senator Obama" nennt sie ihren Gesprächspartner. Und rein formell gesehen hat sie natürlich recht: Obama ist noch nicht einmal Präsidentschaftskandidat. Da ist es nicht üblich, wie mit einem Staatsgast gemeinsam vor die Kameras zu treten. Ein deutscher Oppositionspolitiker würde in Washington ja auch keine große Kulisse bekommen.
Hunderte Schaulustige belagern das Kanzleramt, als die schwarzen Karossen und weißen Jeeps wenige Minuten vor 11 Uhr vor dem Kanzleramt vorfahren. Viel erkennen können sie nicht. Aber auch die Journalisten und Fernsehteams sehen nicht viel mehr: Dreimal Händeschütteln in den Hallen des Kanzleramts, davon einmal mit Reichstag im Hintergrund, Obamas breites Lächeln, zwei weiße Zahnreihen.
Kein Statement, kein Kommentar, nur 45 Minuten hinter verschlossenen Türen. Sehr offen, sehr tiefgängig und sehr angenehm soll das Gespräch gewesen sein, versichert der Regierungssprecher später. Merkel will alles unter Kontrolle behalten bei diesem Besuch. Als Obama sie am Arm berührt, lässt sie das zwar zu, aber nicht ohne die Geste unverzüglich und nicht weniger gönnerhaft zu wiederholen. Soll doch jeder sehen, wer hier die Gastgeberin ist.
Für Merkel ist dies der Besuch eines fremden Wahlkämpfers; für Steinmeier ist es eine Ehre. Mit offenen Armen steht er auf der Treppe des Innenhofs seines Ministeriums, als Obama aus seinem weißen Chrysler-Jeep steigt. Steinmeier zieht Obama zu sich heran, die Nähe kommt aufs Foto. Jeder soll sehen können: Da ist Sympathie.
Teil 2: Steinmeier rundum zufrieden